Pionier des Monats Arved Friese

Viel mehr als ein Schauspiel

von Sebastian Paul
20.06.2024
Die Zeppelin Universität ist für mich ein ganz besonderer Ort, an dem man jedwede Freiheit und Unterstützung bekommt, um Dinge anzupacken und umzusetzen, die man sich vorher so nicht erträumt hätte.

Arved Friese
Pionier des Monats im Juni
 
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Stolz schwingt mit, wenn Arved Friese über seine Eltern spricht, die beide in alles andere als wohlhabenden Familien in der DDR aufgewachsen sind, sich aber durch ihre Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen und in einer Bank eine sichere Existenz aufgebaut haben. Aus dieser Sicherheit heraus entstanden Freiräume, die einem Heranwachsenden voller Einfälle wie Arved Friese zu pass kamen. „Meine Eltern haben mich in allem unterstützt, egal wie verrückt meine Ideen auch waren“, erwähnt Friese. Als er eines Morgens nach einem weiteren gemeinsamen Kinoabend auf der Couch mit der plötzlichen Anwandlung „Ich möchte ins Fernsehen!“ herausplatzte, wischte seine Mutter diese Bemerkung nicht etwa mit einer Handbewegung ab, sondern sie meldete ihren Sohn kurzerhand bei einer Agentur an.


So war Arved Friese gerade einmal sieben Jahre alt, als er das Probecasting für die Schauspielagentur erfolgreich durchlief und an ersten Castings für Werbungen, Serien und Filme teilnahm. An seine frühesten Castings kann er sich zwar nicht mehr erinnern, dafür aber umso mehr an seine ersten beiden Nebenrollen – und das auch nur, weil sie nicht ganz planmäßig abliefen. In der ersten Rolle verließ ihn die Faszination, erstmals an einem Filmset zu sein, auch dann nicht, als er auf den Schultern seines Filmvaters sitzend einem Gespräch aufmerksam folgen sollte. Er ließ sich von dem ganzen Drumherum – die Szene spielte auch noch an einem belebten Bahnhof – so sehr ablenken, dass seine in die Kamera blickenden Augen ständig hin- und herhuschten. In der zweiten Rolle bestand seine Aufgabe lediglich darin, im Getümmel auf eine brennende Scheune zuzulaufen, um diese zu löschen. Doch vor lauter Aufgeregtheit hielt er nicht einen erschrockenen, sondern einen lachenden Gesichtsausdruck in die Kamera – folglich musste das gesamte Setting neu arrangiert werden.


Gerade in der Zeit, in der Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln, startete Arved Friese als Schauspieler richtig durch. Zugute kam ihm dabei, dass er auf eine Privatschule ging, die seine Passion vollumfänglich unterstützte. Bei jedem größeren Filmprojekt, das über mehrere Wochen und teilweise auch im Ausland gedreht wurde, begleitete ihn eine private Lehrkraft, um an extra angesetzten Lerntagen den Schulstoff zu verinnerlichen.


„Besonders wertvoll für die schauspielerische wie auch persönliche Entwicklung waren zum einen die intensive Zusammenarbeit mit deutschen Schauspiel- und Regiegrößen oder einer Coachin wie Gudrun Bahrmann, zum anderen das innige Zusammenleben am jeweiligen Set“, erzählt Friese, der in dieser Zeit seine Detailverliebtheit für das Spiel entwickelte. Fortan las er Drehbücher anders, versetzte sich in Szenen hinein, stellte sich vor, wie sein Charakter in einzelnen Momenten Mimik und Gestik, Emotionen und Bewegungen einsetzt, aber auch wie sein Gegenüber auftreten könnte. „Als Schauspieler war und ist es mir wichtig, kein einheitliches, sondern ein vielseitiges Spielprofil auszubilden“, betont Friese.


Das vertiefte Auseinandersetzen mit seinen Rollen zahlte sich nach und nach aus: Spielte er noch eine der Hauptrollen in dem Kinofilm „Der Nanny“ unter der Regie von Matthias Schweighöfer, führte ihn seine erste Rolle als Hauptdarsteller zum Filmset von „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ unter der Regie von Andreas Dresen – um die zwei bekanntesten Leinwandstreifen in einer Reihe von Fernseh- und Filmproduktionen zu nennen.


Arved Friese geht auch deshalb an jeden Dreh mit Spaß und Freude heran, weil er die Schauspielerei als Hobby betrachtet und nicht als etwas zwingend Erforderliches, von dem er leben muss. „Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich sowohl in meiner Schul- als auch in meiner Studienzeit kein großes Trara um die Schauspielerei mache“, erklärt Friese – und das, obwohl er zwischenzeitlich erstmals in einer internationalen Filmproduktion mitgewirkt hat: „Bastarden“, ein Film mit dem Hollywood-Schauspieler Mads Mikkelsen in der Hauptrolle.


Mit dem Studienbeginn hat sich Arved Friese sukzessive aus dem Filmgeschäft zurückgezogen, um nicht nur seinen Horizont zu erweitern, sondern sich auch in neuen Projekten auszuprobieren. „Den Grundstein für meinen Entdeckergeist hat einer meiner Großväter gelegt, der selbst Tüftler war und mir früh gezeigt hat, wie man beispielsweise einen Schaltkreis zusammenbaut“, erinnert sich Friese. Daraus keimte über die Jahre hinweg der Gedanke auf, etwas Eigenes aufzubauen. Die Überlegung, was er für eine Gründung wissen muss, der Wunsch, in Diskussionen zu Lösungen zu kommen, die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen, und schließlich der Spruch „Kann man gesellschaftlichen Wandel eigentlich studieren?“ brachten ihn zum CME-Bachelor an der ZU. „Was mich mindestens genauso faszinierte, waren die studentischen Initiativen“, ergänzt Friese, „wobei mein Interesse vor allem dem studentischen Internetradio Welle20 galt, das während Corona eingeschlafen war.“


Anfangs noch unterstützt von den ehemaligen studentischen Vizepräsidenten Matthias Eckmann und Moritz Schön, kümmerte sich Arved Friese gemeinsam mit seinem Kommilitonen Kilian Strobel darum, das in die Jahre gekommene Studio zu renovieren und mit moderner Technik auszustatten. „Auch wegen dem liegengebliebenen Verwaltungskram haben wir es erst in letzter Zeit geschafft, ein neues Team aufzubauen und die eigentliche Arbeit aufzunehmen“, erwähnt Friese. Bedeutet: Die Teammitglieder gehen zu einem Event, zeichnen dieses auf und bearbeiten und veröffentlichen das aufgezeichnete Material als Podcast. In Planung stehen außerdem erste Filmprojekte – mal mit kürzeren, mal mit längeren Laufzeiten. „Mittlerweile haben wir das Gefühl, dass Welle20 wieder aufatmet“, konstatiert Friese.


Aufatmen konnte er selbst, als er merkte, dass das Studium genauso ist, wie er es sich erhofft hatte. „Denn in den Kursen hat man mir genau das richtige Werkzeug an die Hand gegeben, um Start-ups zu gründen, die meinem Verständnis von nachhaltigem und sozial verantwortungsvollem Unternehmertum entsprechen“, berichtet Friese. „Überhaupt ist die ZU für mich ein ganz besonderer Ort, an dem man jedwede Freiheit und Unterstützung bekommt, um Dinge anzupacken und umzusetzen, die man sich vorher so nicht erträumt hätte.“


Sinnbildlich dafür stehen neben der Organisation des Musikfestivals „Lost and Sound“ im brandenburgischen Brodowin vor allem zwei Projekte. Inspiriert von einer Instagram-Werbung von zwei Schülern, die ihr eigenes Bier brauen, setzte sich Arved Friese mit Kilian Strobel zusammen, um an der Idee eines eigenen Uni-Biers zu tüfteln. Einige Monate später tauchte auf jeder Uni-Party plötzlich ZÜffl auf – ein ZU-gebrandetes und in Kooperation mit der regionalen Meckatzer Brauerei hergestelltes Bier. „Wir hoffen, dass sich das Uni-Bier zu einem Selbstläufer entwickelt, um das sich nachfolgende Generationen von ZUler:innen gerne kümmern möchten“, bemerkt Friese. „Inzwischen ist es zumindest so weit gekommen, dass unsere Kommiliton:innen nicht mehr ,Ich hätte gerne noch ein Bier!‘ sagen, sondern ,Ich hätte gerne noch ein ZÜffl!‘“


Gemeinsam mit Richard Silas Wachmann, der sich den Traum von einem eigenen Olivenhain im Ebrodelta erfüllt hat, gründete Arved Friese darüber hinaus mit der Deltebros SL eine in Spanien eingetragene Gesellschaft. „Einmal im Jahr ernten und produzieren wir vor Ort extra natives Olivenöl, das bislang im kleinen Kreis in Deutschland vertrieben wird“, erzählt Friese. Und er verrät: „Demnächst möchten wir einen Online-Shop starten, sowohl unsere Ernteflächen als auch unser Händlernetz erweitern sowie innovative Wege finden, um dem Klimawandel zu trotzen und auch in Zukunft reiche Ernten einfahren zu können.“


Gesetz dem Fall, jemand würde Arved Friese einen Vertrag vorlegen, der ihm für die nächsten zehn Jahre ein großes Filmprojekt pro Jahr verspricht und dazu noch ein gutes Auskommen: „Ich würde keine Sekunde überlegen und sofort unterschreiben, weil ich ein großer Fan der Filmbranche bin!“ Dass er sich von der Filmwelt gar nicht lösen kann und will, zeigt indes sein nächstes Projekt. „Im Sommer möchte ich einen Blick hinter die Kulissen einer Filmproduktion werfen und die unternehmerische Seite der Filmindustrie betrachten“, erläutert Friese. „Aktuell ist das für mich der beste Weg, das Unkontrollierbare des Filmgeschäfts zu kontrollieren.“

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