Wahlkampf

Urnenmarathon einmal anders

Angela Merkel wird in den USA von beiden politischen Lagern als eine sachorientierte Konfliktlöserin wahrgenommen

Juri Schnöller
Mitglied des CDU-Wahlkampfes 2013
 
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    Zur Person
    Juri Schnöller

    Er war Student der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Zeppelin Universität, kennt sich bestens im politischen Betrieb in Washington D.C. aus. Im Rahmen eines einjährigen Forschungsaufenthaltes arbeitete er unter anderem mehr als sieben Monate als Youth & Social Media Koordinator für die Obama Campaign

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Wie wirkt sich die Wahlkampffinanzierung auf das Management von Obamas Kampagne im Gegensatz zu Frau Merkels aus?


Das Wahlkampfbudget der CDU für den gesamten Bundestagswahlkampf beläuft sich auf knapp 20 Millionen Euro. Dies reicht in den USA gerade einmal für einen Tag TV-Spots im heißumkämpften Florida, Obama alleine hatte im Präsidentschaftswahlkampf 2012 über eine Milliarde US-Dollar zur Verfügung. Dies erlaubt es einer Kampagne flächendeckende Strukturen zu etablieren, die auf professionelle Mitarbeiter und beste Ausstattung zurückgreifen können. Allerdings wird dies auch dringend benötigt, da Parteien in den USA nicht wie in Deutschland auf viele Freiwillige Mitglieder zurückgreifen können, die sich unabhängig vom Kandidaten für die Sache der Partei einsetzen und ihre Freizeit opfern.

Juri Schnöller und die Kanzlerin
Juri Schnöller und die Kanzlerin

Betrachtet man die politische Position dieser beiden Persönlichkeiten, fallen einige Unterschiede auf, dennoch haben Sie beide im Wahlkampf unterstützen können. Wie nah sind Obama und Merkel sich letztlich?


Was Obama und Merkel eint ist ein pragmatischer und unideologischer Politikstil mit denen sie sich auch unter den politischen Gegnern Respekt verschafft haben.Vergleiche der politischen Anschauungen anhand von Positionen zu machen halte ich hier für wenig hilfreich - das soziokulturelle Umfeld der beiden Länder ist so unterschiedlich, das sich Konfliktlinien und kontroverse Themen sehr unterschiedlich in der öffentlichen Debatte äußern. Angela Merkel wird in den USA von beiden politischen Lagern als eine sachorientierte Konfliktlöserin wahrgenommen und genießt auch unter den politisch Interessierten höchste Zustimmungsraten.

Der deutsche Wahlkampf scheint sich langsam dem amerikanischen anzunähern. Lassen sich Ihrer Meinung nach Trends für diesen Wandel feststellen?


Die Professionalisierung und gleichzeitige Amerikanisierung des Wahlkampfes ist nicht nur in Deutschland sondern in den meisten westlichen Demokratien feststellbar. Professionalisierung beschreibt eine immer stärkere Auslagerung politischer Arbeit wie beispielsweise dem Entwerfen von Wahlplakaten, der Produktion von Wahlwerbespots etc. auf externe Werbeagenturen die Politik primär als Geschäftsbereich im Marketing verstehen. Eine zunehmende Fokussierung auf die Spitzenkandiaten anstatt Wahlprogramme sowie mediale Inszenierungen von Veranstaltungen sind Indikatoren, das sich unser System dem amerikanischen Wahlkampf zunehmend angleicht.


Titelbild: frollein2007 (CC BY-NC-SA 2.0)

Text: Juri Schnöller

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