Moderne Metropolen

Die Stadt der Zukunft wird grün und blau

Städte müssen autarker werden in ihrer Versorgung und in ihren Emissionen; sie müssen trotz Wachstum und Verdichtung ,grüner‘ werden, lebenswerter und zugleich nachhaltiger.

Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl
Audi-Stiftungslehrstuhl für unternehmerisches Handeln, globale Verantwortung & Nachhaltigkeit
 
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    Zur Person
    Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl

    Prof. Dr. Dr. Manfred Moldaschl studierte Psychologie, Geschichte, Literatur und Soziologie in Tübingen, Berlin und München. Er neigt keiner akademischen Disziplin zu, sagt er selbst, sondern verfolgt vielmehr das Prinzip der eisernen Disziplinlosigkeit. Unter anderem arbeitete er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und dem Institut für Humanwissenschaften in Arbeit und Ausbildung der TU-Berlin. Moldaschl hielt Lehraufträge und Gastprofessuren in Psychologie und Soziologie an Universitäten im In- und Ausland. Seit 2013 ist er Inhaber des Audi-Stiftungslehrstuhls für Sozioökonomie und unternehmerisches Handeln an der Zeppelin Universität. 

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    Factbox
    Das Forschungsprojekt in den Medien

    "Forschungsprojekt zur Stadtentwicklung startete am Bodensee" titelt der Südkurier am 30. Juli 2014. Auch in den Medien stößt das neue Projekt auf reges Interesse. Einen Einblick in die Berichterstattung liefert unter anderem dieser Artikel. 

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Ausgangspunkt des Forschungsprojektes ist, dass Projekte der Gestaltung von Infrastrukturen in Städten meist auf jeweils einen bestimmten Zweck zielen wie Freizeit und Erholung, Schaffung von Frischluftschneisen oder Abstandsgrün. Doch durch die Ausdehnung und gleichzeitige Verdichtung von Städten weltweit werden diese öffentlichen Naturräume immer enger. Sie müssen auf engem Raum immer mehr leisten: als sozialer Begegnungsraum dienen, als Erholungsraum, als „urbanes Wohnzimmer“ für Menschen, aber auch als Schutzraum für Biodiversität und Grundwasserneubildung, als Ausgleichsfläche für Hochwasserschutz, in Funktionen der Klimaregulierung, der Feinstaubbindung und der ästhetischen Profilbildung der Städte. Das Projekt nimmt dabei speziell die „blau-grüne Infrastruktur“ der moderne Metropole in den Blick: Grünflächen und Gewässerflächen, bislang nicht dafür genutzte Dach- und Fassadenflächen, Brachen und ehemalige Industriegelände.

Die Stadt von morgen ist grün und blau. Denn neben futuristischer Architektur braucht sie auch grüne Oasen - nicht nur für die Erholung von Bankern und Managern aus den Wolkenkratzern Zentrum, sondern auch für die Regeneration des Ökosystems "Stadt".
Die Stadt von morgen ist grün und blau. Denn neben futuristischer Architektur braucht sie auch grüne Oasen - nicht nur für die Erholung von Bankern und Managern aus den Wolkenkratzern Zentrum, sondern auch für die Regeneration des Ökosystems "Stadt".

Das Forschungsprojekt wird die damit verbundenen Herausforderungen untersuchen und Lösungen für eine widerstandsfähige, kostengünstige und politisch umsetzbare Stadtentwicklung unter Berücksichtigung von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten suchen. Dies ist nicht nur hierzulande gefragt, sondern vor allem in Asien gefordert, in denen Megacities wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Ansatz greift Empfehlungen des Weltklimarates IPCC auf, wie sie etwa dessen aktueller Bericht formuliert. Diesem zufolge sind Lösungsansätze zur Reduktion städtischer Emissionen am effektivsten, die Strategien und Maßnahmen aus unterschiedlichen Bereichen vereinen.

Das Forschungsprojekt in den Medien


Eine Hypothese des neuen Forschungsprojektes ist, dass Gründe für die mangelnde Entwicklung zusammenhängender „blau-grüner Infrastrukturen“ in Städten nicht alleine zu suchen sind in naturwüchsiger, ungeplanter Stadtentwicklung, sondern beispielsweise auch im Spezialistentum der Entscheidungsträger, im Zielkonflikt von Wachstum und Nachhaltigkeit sowie im unzureichenden Austausch der unterschiedlichen Interessengruppen in Verwaltung und Bürgerschaft. Ein Schwerpunkt der Forschung wird daher sein, den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und ästhetischen Nutzen integrierter „blau-grüner“ Stadtentwicklung zu erfassen, zu belegen und für politische Entscheidungsprozesse besser verarbeitbar zu machen. Politiker, Entscheidungsträger und Planer brauchen dafür innovative Ideen und überzeugende Argumente.

Verkehrschaos in Kairo. Mit der Zukunft der Stadt muss auch ihre Infrastruktur wachsen. Im Gedanken der Nachhaltigkeit könnten Verkehrsstaus also bald der Geschichte angehören. Denn sie rauben nicht nur die Nerven der Verkehrsteilnehmer, sondern auch die der Umwelt.
Verkehrschaos in Kairo. Mit der Zukunft der Stadt muss auch ihre Infrastruktur wachsen. Im Gedanken der Nachhaltigkeit könnten Verkehrsstaus also bald der Geschichte angehören. Denn sie rauben nicht nur die Nerven der Verkehrsteilnehmer, sondern auch die der Umwelt.

Untersucht werden Städte in Europa, Asien und Amerika in verschiedenen Klimazonen und Kulturen, etwa Singapur, Tianjin (China), Boston, New York, Kopenhagen und Hannover. Zusätzlich sollen mögliche Fallstricke bei der Umsetzung anhand von gescheiterten Projekten erforscht werden. Die Forschungsergebnisse werden der Öffentlichkeit durch Publikationen und Präsentationen bei verschiedenen Konferenzen zugänglich gemacht.

Seit 2008 lebt die Mehrheit in der Stadt

Die Leitung des internationalen Forschungsverbundes hat das Europäische Zentrum für Nachhaltigkeitsforschung an der ZU. Dessen Direktor und Inhaber des Audi-Stiftungslehrstuhls für Sozioökonomie und unternehmerisches Handeln, Professor Dr. Dr. Manfred Moldaschl, erläutert: „Seit 2008 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land – und diese Verstädterung beschleunigt sich noch. Die weltweiten Herausforderungen der Menschheit, von denen der Klimawandel nur eine ist, müssen auch aus dieser Urbanisierungsperspektive betrachtet werden. Die Verstädterung muss als Teil des Problems und der Lösungen gesehen werden. Städte müssen autarker werden in ihrer Versorgung und in ihren Emissionen; sie müssen trotz Wachstum und Verdichtung ,grüner‘ werden, lebenswerter und zugleich nachhaltiger – was leider nicht immer dasselbe ist. Das Projekt begibt sich weltweit auf die Suche nach kreativen Ideen und Lösungen.“

Von Seiten der ZU ist außerdem der Stadt Friedrichshafen-Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft und Verwaltungsmodernisierung von Professor Dr. Eckhard Schröter beteiligt.

Japan von oben. Diese Aufnahme der NASA zeigt Stadt und Land im heutigen Zustand. Einer der Kernpunkte für die Stadt der Zukunft wird das Thema Infrastruktur. Wie vernetzt eine "Global City" der Zukunft aussehen kann, bleibt aber trotz intensiver Forschung noch abzuwarten.
Japan von oben. Diese Aufnahme der NASA zeigt Stadt und Land im heutigen Zustand. Einer der Kernpunkte für die Stadt der Zukunft wird das Thema Infrastruktur. Wie vernetzt eine "Global City" der Zukunft aussehen kann, bleibt aber trotz intensiver Forschung noch abzuwarten.

Der langjährige Geschäftsführer der Rambøll Gruppe und jetzige Vorsitzende der Rambøll Stiftung, Flemming Bligaard Pedersen, begründet das Engagement für das Projekt so: „Es ist von enormer Wichtigkeit festzustellen, dass Investitionen in blau-grüne Infrastrukturen weltweit eine immer wichtigere und zentralere Bedeutung für das Wohlbefinden der Bewohner von Metropolen einnehmen. Die Vernetzung von Grünräumen und Wassermanagement ermöglicht es erst, ein Stück Naturraum in Städten zu schaffen und den zunehmenden Stressfaktoren wie Klimawandel und Artenverlust etwas entgegenzusetzen“.


Titelbild: Khush N / flickr.com
Bilder im Text: Andreas WeckerWalid Hassanein

NASA Goddard Space Flight Center / flickr.com


Beitrag: Rainer Böhme | Zeppelin Universität

Redaktionelle Umsetzung: Alina Zimmermann und Florian Gehm

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