BürgerUniversität

Viel mehr als nur kärchern

von Fabio Sommer | freier Autor
22.11.2022
Clean steht nicht nur für Sauberkeit, sondern auch dafür, dass man saubere Geschäfte macht.

Hartmut Jenner
Vorsitzender des Vorstands des Familienunternehmens Kärcher
 
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    Zur Person
    Hartmut Jenner

    Hartmut Jenner, geboren und aufgewachsen im Kärcher-Heimatdorf Winnenden bei Stuttgart, studierte von 1986 bis 1991 Betriebswirtschaftslehre und Ingenieurswissenschaften an der Technischen Universität Stuttgart und schloss sein Studium als Diplom-Kaufmann/Diplom-Ingenieur ab. Anschließend trat er bei der Alfred Kärcher SE & Co. KG ein, wo er seit 2001 Vorsitzender des Vorstands ist sowie Vorstand der Alfred Kärcher-Förderstiftung. Seit 2014 gehört der ehemalige württembergische Jugendauswahlspieler Hartmut Jenner außerdem dem Aufsichtsrat des VfB Stuttgart an.

    Kärcher hat 2021 zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte die Umsatzschwelle von drei Milliarden Euro innerhalb eines Geschäftsjahres überschritten. Auch die Mitarbeiterzahl ist mit mehr als 900 Neuzugängen im vergangenen Jahr deutlich angestiegen: 14.400 Beschäftigte arbeiten jetzt in 150 Firmen und 78 Ländern für das Familienunternehmen aus Winnenden. Dank seiner fest im Unternehmen verankerten Nachhaltigkeitsstrategie durfte sich Kärcher zum Ende des vergangenen Jahres über zwei weitere Erfolge freuen: die erreichte CO2-Neutralität aller Werke weltweit und die Auszeichnung mit dem renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis für einen vorbildlichen Umgang mit Ressourcen.

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Nach einleitenden Worten vom studentischen Vizepräsidenten Moritz Schön stellte Professor Dr. Reinhard Prügl vom Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen | FIF den amtierenden Vorsitzenden des Vorstands von Kärcher vor. Hartmut Jenner ist in Winnenden aufgewachsen, wo auch der Firmensitz des von ihm und seinen Vorstandsmitgliedern geführten Weltkonzerns liegt. Vor Beginn seiner Laufbahn bei Kärcher absolvierte er in Stuttgart sowohl ein Studium zum Diplomkaufmann als auch zum Diplomingenieur. Seit nunmehr 21 Jahren in der Position des CEOs tätig, schaffte es Jenner bei stetigem Wachstum den Umsatz seines Unternehmens während seiner Amtszeit beinahe zu verzehnfachen. Dabei könnte es kaum besser laufen: Im Geschäftsjahr 2021 stellte Kärcher allein rund 900 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und erzielte zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte einen Umsatz von knapp über drei Milliarden Euro.

„Wir sind bekannt für den Hochdruckreiniger und er ist noch heute unser wichtigstes Produkt“, bemerkt Hartmut Jenner in seinem Vortrag an der Zeppelin Universität. Doch das war nicht immer so: Mehr als zehn Jahre nach Gründung des Unternehmens im Jahr 1935 kam Gründer Alfred Kärcher auf die Idee des Hochdruckreinigers. Und auch in der Folgezeit war dieser nicht das wichtigste Produkt des Familienunternehmens, wie bei den Ausführungen von Jenner zur Unternehmensgeschichte klar wird. Denn aufgrund ihrer technischen Beschaffenheit wurden die ersten Modelle des Hochdruckreinigers zunächst nur an Gewerbekunden verkauft.
„Wir sind bekannt für den Hochdruckreiniger und er ist noch heute unser wichtigstes Produkt“, bemerkt Hartmut Jenner in seinem Vortrag an der Zeppelin Universität. Doch das war nicht immer so: Mehr als zehn Jahre nach Gründung des Unternehmens im Jahr 1935 kam Gründer Alfred Kärcher auf die Idee des Hochdruckreinigers. Und auch in der Folgezeit war dieser nicht das wichtigste Produkt des Familienunternehmens, wie bei den Ausführungen von Jenner zur Unternehmensgeschichte klar wird. Denn aufgrund ihrer technischen Beschaffenheit wurden die ersten Modelle des Hochdruckreinigers zunächst nur an Gewerbekunden verkauft.

„Ergonomischer, einfacher, schneller, umweltfreundlicher: Das ist die Grundidee unseres Seins“, lautet einer der einleitenden Sätze von Hartmut Jenner in seinem Vortrag. Wie genau dieses Sein von Kärcher sich bis heute entwickelt hat, erläutert er anhand der Meilensteine in der Entwicklungsgeschichte des Familienunternehmens. Im Jahr 1935 gründete Alfred Kärcher – „ein großartiger schwäbischer Ingenieur und Tüftler“ – im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt sein gleichnamiges Unternehmen. Sein erstes Produkt war jedoch nicht der heute weltweit berühmte Hochdruckreiniger, sondern ein Salzbadeofen zum Härten von Leichtmetallen. Danach folgte die Entwicklung von mobilen Luftanwärmgeräten, die zum Enteisen und Anwärmen von Flugzeugmotoren und Kabinen verwendet wurden und deren mechanisch verstellbare Düsen technisch sehr anspruchsvoll umzusetzen sind. Das entsprechende Patent dazu verkaufte der Gründervater von Kärcher an die Firma Degussa, die dieses bis ins Jahr 1996 verwendete. Mit dem aus diesem Verkauf stammenden Geld siedelte Alfred Kärcher im Jahr 1939 mit seinem Unternehmen nach Winnenden über.


„Wir glauben, dass die Nazis da schon eine Rolle gespielt und die Industrie aus den Städten hinausgezogen haben“, merkt Jenner an. Während des wenig später ausbrechenden Zweiten Weltkrieges musste Kärcher mobile, kerosinbetriebene Heizungen für die Flugzeuge der Nationalsozialisten produzieren. Erst nach Ende des Krieges kam der gleichnamige Gründer auf die Idee des Hochdruckreinigers. Die Amerikaner, unter deren Besatzungsmacht auch Winnenden fiel, hatten auf ihren Lastwagen bereits Dampfreiniger installiert. Alfred Kärcher erkannte als Ingenieur, dass die dahintersteckende Methode ineffizient war und fügte daher eine weitere Pumpe hinzu, um so einen Strahl mit mehr „Impact“ zu erzeugen – „und so entstand der erste Hochdruckreiniger Europas“, berichtet Jenner.


Nachdem Alfred Kärcher im Alter von nur 58 Jahren verstarb, übernahm seine Frau Irene Kärcher das Unternehmen. Diese arbeitete zuvor im Vorstandssekretariat von Daimler, das damals eines der wenigen international tätigen Unternehmen in Deutschland war. Irene Kärcher begann wohl auch aus dieser Erfahrung heraus, früh Gesellschaften im Ausland zu gründen. So etwa im Jahr 1962 in Frankreich, wo die Marke Kärcher heute bekannter ist als in Deutschland. Die Ende der 1960er Jahre folgende Wirtschaftskrise brachte auch Kärcher ins Schlingern, weshalb im Jahr 1974 eine neue Strategie unter neuem Management beschlossen wurde: Alle acht Produkte, die Kärcher bis zu diesem Zeitpunkt führte, wurden ausgemustert – bis auf den Hochdruckreiniger. Das bedeutete: mehr als die Hälfte des Umsatzes aufzugeben und sich ausschließlich auf das B2B-Geschäft zu fokussieren.

Gelber Kärcher, schwarze Zahlen

Das änderte sich erst wieder 1984, als Kärcher auf Basis eines Vorgängermodells innerhalb von 18 Monaten den ersten mobilen Hochdruckreiniger mit halbem Gewicht und zum halben Preis, aber mit gleichbleibender Leistung entwickelte. Dieses neue Modell mit dem Namen „HD 555“ war zugleich der erste Hochdruckreiniger für den privaten Gebrauch, womit Kärcher auch den Endkundenmarkt für sich erschloss. Ein weiterer wichtiger Meilenstein: 2013 führte das Unternehmen eine neue Farbcodierung ein: anthrazit für gewerbliche Hochdruckreiniger und das charakteristische Kärcher-Gelb für die private Variante.


Nicht gelb, sondern schwarz sind die Zahlen, die Kärcher seit Jahren schreibt: „Es gibt kein Jahr, in dem wir nicht gewachsen sind“, sagt Jenner, nachdem er seinen Ausflug in die Unternehmensgeschichte beendet hat. Das liegt unter anderem daran, dass der B2B- und der B2C-Markt bei Kärcher sich ungefähr die Waage hält – so ist eine stabile Auslastung des Unternehmens während der natürlichen Schwankungen des Konjunkturzyklus garantiert. Beim gesamten Reinigungsmarkt handelt es sich dabei um einen sehr fragmentierten Markt, so Jenner: die Top 5 Unternehmen in der Branche haben zusammen gerade einmal einen Marktanteil von 33 Prozent. Diese Fragmentierung sorgt für einen hohen Konkurrenzdruck: „Die Marke ist ein Leistungsversprechen und muss weltweit erfüllt werden, was nicht einfach ist“, betont Jenner. Kärcher scheint es jedoch zu gelingen, auch international seine Qualitätsstandards zu erfüllen. Schließlich hat es das Wort „kärchern“ – definiert als das Reinigen mit dem Hochdruckreiniger – in die Wörterbücher von gleich drei verschiedenen Sprachen geschafft.

„Der wichtigste Erfolgsfaktor ist ohne Frage der Mensch“, sagt Hartmut Jenner. Deshalb liegt Kärcher seine Belegschaft sehr am Herzen: Alle Mitarbeitenden werden weltweit am Unternehmenserfolg beteiligt und zeichnen sich durch eine langjährige Zugehörigkeit im Familienunternehmen aus. Auch um seinen Nachwuchs sorgt sich Kärcher: Als einer der Gründerväter des DH-Studiums in Baden-Württemberg, will Kärcher 75 Prozent seiner zukünftigen Führungskräfte in den eigenen Reihen aufbauen. Allein in Deutschland bildet das Unternehmen dazu gerade rund 400 Azubis mit Übernahmegarantie aus.
„Der wichtigste Erfolgsfaktor ist ohne Frage der Mensch“, sagt Hartmut Jenner. Deshalb liegt Kärcher seine Belegschaft sehr am Herzen: Alle Mitarbeitenden werden weltweit am Unternehmenserfolg beteiligt und zeichnen sich durch eine langjährige Zugehörigkeit im Familienunternehmen aus. Auch um seinen Nachwuchs sorgt sich Kärcher: Als einer der Gründerväter des DH-Studiums in Baden-Württemberg, will Kärcher 75 Prozent seiner zukünftigen Führungskräfte in den eigenen Reihen aufbauen. Allein in Deutschland bildet das Unternehmen dazu gerade rund 400 Azubis mit Übernahmegarantie aus.

Für Hartmut Jenner ist die Unternehmenskultur von zentraler Bedeutung: „Kultur entsteht durch Werte.“ Anschließend zählt der Vorsitzende des Vorstands fünf Werte auf, die bei Kärcher besonders betont werden, und beginnt mit dem Wert „Spitzenleistung“. Als Weltmarktführer hat Kärcher keinen Konkurrenten, der das Unternehmen überholen könnte. „Wen hat eine Nummer Eins dann aber als Vorbild?“, fragt Jenner in den Raum. Die Antwort auf diese rhetorische Frage liefert er prompt: „Sie müssen immer eine Geisteshaltung haben, noch besser zu werden. Das ist aber eine andere, als jemanden überholen zu wollen.“ Der zweite Wert ist „Hingabe“, der im internen Kärcher-Kredo zum Ausdruck kommt: „Mach’s richtig oder mach’s gar nicht – aber mach’s nicht halbherzig.“ Als ein Unternehmen, von dem weltweit mehr als 450.000 Familien leben, trägt Kärcher auch eine hohe „Verantwortung“ – zugleich dritter Wert. Der vorletzte Wert ist die „Disziplin“: „Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen alles wissen, aber viel zu wenig umsetzen“, sagt Jenner. Er schlägt daher vor, den weit verbreiteten Glaubenssatz „Wissen ist Macht“ zu aktualisieren, „denn nur der, der aus Wissen was macht, hat Macht“. Mit dem „Ehrgeiz“ vervollständigt sich das Werte-Quintett von Kärcher: „Du musst etwas erreichen wollen, du musst dir Ziele setzen, du musst dich nach vorne bewegen“, erklärt Jenner. „Den Ehrgeiz, etwas mit Herzblut zu machen, ist etwas Wunderschönes. Wir verstehen uns als ‚Techniker mit Herz’, denn die Leidenschaft für das eigene Schaffen ist immens wichtig“, so das Schlusswort.

Titelbild: 

| Kärcher / Pressestelle (alle Rechte vorbehalten) | Link


Bilder im Text: 

| Fabio Sommer / Zeppelin Universität (alle Rechte vorbehalten)


Redaktionelle Umsetzung: Florian Gehm

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