Generation Y

Wenn Karriere nicht attraktiv ist

von Moritz Degler und Felix Sieker | Redaktion
10.09.2012
Insgesamt denke ich, dass die Geschichte einen Nerv getroffen hat - nicht, weil es bereits ein großer Trend wäre, aber weil es sich viele Menschen vorstellen können und gerade in der Krise nach nachhaltigeren Lebens- beziehungsweise Arbeitsmodellen suchen.

Klaus Werle
 
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    Zur Person
    Klaus Werle

    Werle ist Redakteur beim manager magazin und Autor. Er hat Geschichte, Anglistik und Germanistik studiert, die Henri-Nannen Journalistenschule in Hamburg besucht und als Produktmanager bei Procter&Gamble gearbeitet. Sein Buch „Die Perfektionierer“ zeigt die negativen Seiten des Optimierungswahns in Ausbildung, Alltag, Beruf.

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    Factbox
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    "Im Prinzip ist die Generation Y doch die Generation Google", zitieren Eva Buchhorn und Klaus Werle Google Deutschland-Personalchef Frank Kohl-Boas im Juni 2011 in einem Artikel ebenfalls auf Spiegel Online. So seien die Arbeitsplätze heiß begehrt, obwohl das Unternehmen nichts von dem böte, was in der Old Economy noch statusrelevant gewesen sei: " ... keine Dienstwagen, keine schicken Titel, keine Einzelbüros. Dafür Geld fürs Gymnastikstudio, und wer sein - selbstverständlich selbst verwaltetes - Reisebudget nicht ausschöpft, darf den Rest für einen guten Zweck spenden."

    ROCK YOUR LIFE!

    ROCK YOUR LIFE! ist ein mehrfach prämiertes Sozialunternehmen, das aus der Zeppelin Universität hervorgegangen ist und heute deutschlandweit an bald 30 Standorten Coachingbeziehungen zwischen Schülern und Studierenden stiftet. Ein flächendeckendes Netzwerk an Ausbildungsgebern öffnet Praktika und Lehrstellen für die Schüler. Das Social Franchise reagiert auf die immer noch vorherrschende Pfadabhängigkeit im Bildungsbereich mit einem breitenwirksamen Programm, welches junge Menschen konkret, individuell und kontinuierlich auf ihrem Weg in den Beruf oder die weiterführende Schule begleitet und unterstützt. 

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Besonders die Talentierten und gut Ausgebildeten kehren klassischen Karrierewegen den Rücken zu. Seitdem Klaus Werle, Redakteur beim manager magazin, diese These in seinem Bericht über die Generation Y für manager magazin und für Spiegel Online Ende August ausführte, wurde sein Artikel online bereits über 200 mal kommentiert; Leserbriefe und Anrufe erreichen den Autor en masse. „Nicht, weil es bereits ein großer Trend wäre, aber weil es sich viele Menschen vorstellen können und gerade in der Krise nach nachhaltigeren Lebens- beziehungsweise Arbeitsmodellen suchen“, erklärt sich Werle den beachtlichen Nachklang. Das Thema ist in aller Munde – und das über die deutschen Grenzen hinweg. Deutsche Zeitungen überbieten sich in letzter Zeit mit Artikeln über die Ypsiloner mit Allergie gegen den "großen Chef in Grau", auch der österreichische Standard und das US-Wirtschaftsmagazin Forbes widmeten sich schon der neuen Generation. 

Selbstbewusst, technikaffin und mobil

Dabei stützt sich die Berichterstattung auf Studien, die einen Paradigmenwechsel einzuläuten scheinen. Eine Umfrage des Manager Monitors unter 300 Führungs- und Fachangestellten im Juni 2012 ergab, dass der Wunsch nach einem hierarchischen Aufstieg bei 59 Prozent der Befragten eher abgenommen habe. Zudem sei nur noch bei 6 Prozent der Teilnehmer die Bereitschaft, Privat- und Familienleben dem Job unterzuordnen, eher gewachsen. Die Ergebnisse sprächen eine eindeutige Sprache, die viele Vorgesetzte irritiere, meint Klaus Werle im Spiegel. Kein Wunder, denn die Vertreter der Generation Y gelten als besonders selbstbewusst.

Dabei scheinen die Forderungen nach weniger Berufsvereinnahmung nicht in Faulheit gebettet. Die nach 1980 Geborenen zeichneten sich durch ihre hohe Technikaffinität und Mobilität aus, stellt die ehemalige Führungskraft Sabine Höckling in der Wochenzeitung Zeit fest. „Besonders die Akademiker dieser jungen Generation sind bereit, Spitzenleistung zu bringen“, so Höckling weiter.

Geld ist nicht mehr oberste Priorität

Bei den sogenannten Aufstiegsverweigerern handelt sich also keineswegs um eine Gruppe von unmotivierten Zeitgenossen, die ihre Arbeit nur noch als Mittel zum Zweck betrachten. So stellt auch Thomas Fritz, Recruiting-Chef von McKinsey Deutschland, im Spiegel fest: „Die Jüngeren sind nicht weniger leistungsbereit. Aber die Vorstellung eines erfüllten Lebens ist mehrdimensional geworden.“ Es drängt sich dabei die Frage auf, ob für ein glückliches Leben nicht schon immer auch andere Dinge als die Arbeit wichtig waren. Viel mehr werden die Unternehmen durch neue Rahmenbedingungen gezwungen, auf die Forderungen der jungen Generation besser einzugehen. Neu scheint allerdings zu sein, dass für die Ypsiloner Geld und Statussymbole nicht mehr an erster Stelle stehen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn materielle Sorgen sind ihnen zumeist unbekannt.

Traumarbeitsplatz Google - ohne Dienstwagen


Anders als die Alten

Die Suche nach Alternativen läuft indes heiß. Postuliert werden könnte: Die Generation Y will Arbeit mit Sinn, eine ausgeglichene Work-Life-Balance unter Einsatz von flexiblen Arbeitszeitmodellen und verzichtet auf Karriereleiter-Träume. Wenn nicht bei Google arbeiten, dann muss es auf alle Fälle anders als bei den Eltern laufen. Häufig seien die Karrieren der Eltern auf klassischem Wege nur noch schwer zu überbieten, sagt der Präsident der Zeppelin Universität, Professor Dr. Stephan A. Jansen. Ein weiterer Grund, den tradierten Pfad zu verlassen. Welche Wege sich für Karriereverweiger öffnen, beschreibt Jansen indes so: „Wer heute führen will, der gründet.“

Lässt sich folglich eine neue Gründerkultur in Deutschland beobachten? Klaus Werle mahnt zur Vorsicht: „Wie oft wollten wir schon einen neuen Gründergeist ausrufen - und wurden dann durch die offiziellen Statistiken ernüchtert, die eher einen Rückgang als eine Zunahme konstatieren.“ Dennoch glaubt Werle, „dass in einem schmalen Bereich zumindest wieder intensiv über Gründungen nachgedacht wird. Und zwar in dem Bereich derer, die klug, kreativ und engagiert sind.“

„Unternehmen müssen den sozialen Aspekt ihres Tuns stärken.“

Stellvertretend für den neuen Gründungsanspruch der Generation Y könnte dabei die 28-jährige ZU-Absolventin Elisabeth Hahnke stehen. „Wir können ein soziales Problem nur nachhaltig lösen, wenn wir es mit unternehmerischen Mitteln angehen“, fasst sie ihre Motivation im Focus zusammen. Zu diesem Zweck gründete sie mit zwei Kommilitonen das Sozialunternehmen „Rock your life“.
In der Bildungsinitiative werden Schüler aus sozial benachteiligten Verhältnissen von Studierenden begleitet. „Rock your life“ zielt darauf ab, die Möglichkeiten der Schüler am Arbeitsmarkt, sowie deren persönliche Entwicklung zu fördern. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Inzwischen existieren bereits 18 Standorte, an denen sich etwa 600 Studierende engagieren – Preise gab es für die Initiative zuhauf.

ROCK YOUR LIFE!


Doch nicht jeder kann Hahnke folgen. Unterstützt vom demographischen Wandel wird in absehbarer Zeit bereits jeder zweite Arbeitnehmer ein Ypsiloner sein. Die große Herausforderung, mit der sich Unternehmen folglich konfrontiert sehen, ist eine erfolgreiche Integration dieser Altersgruppe. Thomas Sigi, Personalvorstand von Audi, formuliert im Interview mit dem Spiegel den neuen Anspruch: „Die Generation Y will Sinn in dem, was sie tut. Unternehmen müssen den sozialen Aspekt ihres Tuns stärken.“ So könnten die Karriereverweigerer vielleicht tatsächlich die Gesellschaft aufmischen und dabei selbst mehr Balance finden, als sich ihre Eltern je erträumten.


Grafik: Bertram Rusch

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