Selbstdisziplin

Wie gute Vorsätze gelingen können

von Professor Dr. Anja Achtziger | Zeppelin Universität
19.12.2012
Bevor man sich überhaupt einen Vorsatz oder eben Plan fasst, wie man ein Ziel erreichen will, sollte man sich zunächst klar machen, wie wichtig einem das Ziel überhaupt ist.

Professorin Dr. Anja Achtziger
 
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    Professorin Dr. Anja Achtziger

    Im August wurde Professorin Dr. Anja Achtziger auf den Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftspsychologie der Zeppelin-Universität berufen. Sie verstärkt dabei neben der Forschung auch die Studienprogramme im Bereich der Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften an der ZU. Zuvor vertrat sie an der Uni Konstanz mehrfach die Professur für Sozialpsychologie und Motivation. Im Jahr 2008 habilitierte sie sich zum Thema „Erfolgreiches Handeln aus einer sozialkognitiven Perspektive: Rubikonmodell, Vorsatztheorie und mentales Kontrastieren“.

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An Neujahr ist es wieder soweit. Man nimmt sich vor, in verschiedenen Bereichen sein Leben zu ändern. Beliebt sind hier häufig Vorsätze zu den Themen Gewicht, weniger Rauchen, weniger Trinken, mehr Sport treiben und sich mehr um die Familie zu kümmern. Allerdings – und das ist leider nicht nur eine Erfahrung von „Laien“ – hat auch die motivationspsychologische Forschung gezeigt, dass das nicht immer klappt. Im Gegenteil – die meisten Vorsätze, die Leute sich an Silvester und an Neujahr fassen, werden nicht in die Tat umgesetzt – dazu gibt es mittlerweile sogar wissenschaftliche Befunde.

Vorsätze brauchen gute Gründe

Für das Nichterreichen von Vorsätzen gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist der, dass man sich im Vorfeld zu wenig Gedanken darüber gemacht hat, ob das Ziel, das gerne erreicht werden möchte, überhaupt die ganzen Mühen, den ganzen Einsatz, die ganze Zeit, die man investiert, wert ist. Sprich: Bevor man sich überhaupt einen Vorsatz oder eben Plan fasst, wie man ein Ziel erreichen will, sollte man sich zunächst klar machen, wie wichtig einem das Ziel überhaupt ist. Günstig ist es hierbei, sich Fragen zu stellen wie: Ist das Ziel für mich wirklich attraktiv? Was habe ich davon, wenn ich es tatsächlich erreichen würde? Bin ich dann stolz auf mich? Finden meine Freunde, Familie, Arbeitskollegen, das heißt Leute, die mir wichtig sind, es gut, dass ich es tatsächlich schaffe, mehr Sport zu treiben? Bessert sich meine Gesundheit dann wirklich?

Das „Commitment“ ist entscheidend

Die Forschung hat gezeigt, dass Personen, die sich solche Fragen stellen, bevor sie überhaupt mit der Planung des Strebens nach Zielen beginnen, ihre Ziele häufiger erreichen als andere. Das heißt, in die Beantwortung solcher Fragen Zeit und Energie zu investieren, ist schon mal die berühmte „halbe Miete“. Im Fachjargon sprechen Wissenschaftler davon, dass sich durch die Auseinandersetzung mit solchen Fragen das „Commitment“ (die Selbstverpflichtung) auf die eigenen Ziele erhöht. Das führt dazu, dass sie einem schneller wieder ins Gedächtnis kommen beziehungsweise generell nicht so schnell vergessen werden wie Ziele, die auf diese Weise nicht durchdacht wurden. Schon alleine dadurch erhöht sich ihre Umsetzungswahrscheinlichkeit. Wenn man dann noch Vorsätze bildet, die diese Ziele unterstützen, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

Je konkreter der Plan, desto größer der Erfolg

Unter Vorsätzen versteht man in der Motivationspsychologie Handlungspläne, die genau beschreiben, in welcher Situation wir welches Verhalten zeigen möchten. Das sieht in der Praxis so aus, dass man sich zunächst Gedanken darüber macht, in welcher Situation (zum Beispiel am welchem Tag, zu welcher Uhrzeit) man das Verhalten durchführen möchte. Im nächsten Schritt überlegt man sich, welches Verhalten besonders zielfördernd ist.


Das lässt sich vielleicht am besten anhand des Beispiels „Ich möchte im kommenden Jahr mehr Sport treiben!“ verdeutlichen. In der Forschung würde man diesen erwünschten Zustand oder Standard als Ziel bezeichnen. Ein Vorsatz arbeitet diesem Ziel zu, damit es sich besser erreichen lässt. Bei unserem Beispiel könnte das eben der Vorsatz sein: „Immer, wenn ich donnerstags vom Arbeiten nach Hause komme, dann gehe ich sofort für 30 Minuten joggen!“ Das „immer wenn“ hätte somit eine zielrelevante Situation beschrieben, während der „dann“-Teil das zielfördernde Verhalten beschreibt. Das konkrete Planen, wo, wann und auf welche Weise man anhand von Vorsätzen Ziele erreichen kann, erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, das jeweilige Ziel umzusetzen.


Foto: Bertram Rusch

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