Kroatien

Eine längst überfällige Erweiterung

Durch den Beitritt Kroatiens wächst die Bedeutung der Europäischen Union - aber auch ihre Verantwortung.

Professor Dr. Jarko Fidrmuc
 
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    Zur Person
    Professor Dr. Jarko Fidrmuc

    Professor Dr. Jarko Fidrmuc ist gebürtiger Slowake und absolvierte zunächst ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in seiner Heimatstadt Bratislava, bevor er 2000 an der Universität Wien promoviert wurde. In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit der Integration Osteuropas in die Europäische Union. Im Jahr 2005 wurde er als Professor für Politische Ökonomie mit Schwerpunkt Osteuropa an die Volkswirtschaftliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. 2013 hat Fidrmuc an der Zeppelin Universität seine Arbeit als neuer Inhaber des ZEPPELIN-Lehrstuhls für Internationale Wirtschaftstheorie und -politik aufgenommen.

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Sieben Jahre lang dauerten die Verhandlungen zwischen EU und Kroatien bis zum Beitritt am 1. Juli. Relativ gesehen bleibt die Erweiterung aber klein: Die Bevölkerung Kroatiens von 4,5 Millionen Einwohnern repräsentiert weniger als ein Prozent der Bevölkerung der EU. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt nur 0,3 Prozent des BIP der EU. Beträchtlicher ist die „Mitgift“ von mehr als 6000 km Küste und mehr als 1200 Inseln, die viele Deutsche bereits vom Urlaub kennen. Die Europäische Union ist zwar nicht deutlich größer, dafür aber umso schöner geworden.

Zähe Beitrittsverhandlungen

Durch den EU-Betritt Kroatiens sind keine großen Wirtschaftseffekte zu erwarten. In der Zeit der Wirtschaftskrise fehlen die Impulse für die Wachstumsbeschleunigung. Der Arbeitsmarkt wird durch Übergangsfristen von zwei Jahren ausgeklammert. Aus der Perspektive Kroatiens stehen den positiven Effekten durch die Handelsintensivierung mit der EU auch Handelsbarrieren und mögliche Verringerungen im Handel mit den anderen Balkanländern gegenüber. Vor dem Schengen-Betritt ändert sich für die Tourismuswirtschaft noch nichts, langfristig jedoch kann der höhere Kostendruck durch Lohnwachstum und Umweltschutzauflagen die Wettbewerbsfähigkeit sogar verschlechtern. Die zukünftigen Infrastrukturprojekte werden zwar den Zugang zur Adria erleichtern, gleichzeitig aber auch ein wichtiges Asset – verlassene Städtchen und Strände abseits touristischer Routen – zerstören.

Weitere Reformen sind notwendig - in Kroatien und in der EU

Trotzdem ist der Beitritt wichtig, weil die nicht-blaue Fläche zwischen Italien, Slowenien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Griechenland kleiner wird. Die heutige EU hat nun eine Grenze auch zu Bosnien und Herzegowina und zu Kosovo. Damit gibt es auf dem europäischen Kontinent nun keine Länder mehr ohne eine direkte Grenze zur EU. Ihre Bedeutung, aber auch ihre Verantwortung wird damit größer als bisher.

Die bisher letzte Erweiterung der EU muss deshalb als eine Aufforderung zu weiteren Reformen gesehen werden. Deutsche wie auch andere europäische Zeitungen haben vor allem die Aufgaben für die kroatische Regierung betont: Kampf gegen Korruption, Arbeitslosigkeit, und nicht zuletzt die weitere Liberalisierung der Wirtschaft. Die Aufgaben für die EU bekamen weniger Aufmerksamkeit: Lösung der Fiskalkrise, Belebung der europäischen Wirtschaft, Währungsstabilität und ähnlich wie in Kroatien Reformbereitschaft. Nur dann kann die EU weiter wachsen und attraktiv bleiben – das wäre nicht nur für andere Beitrittskandidaten wichtig, sondern für alle.

TitelbildSean MacEntee (CC BY 2.0)

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