Transcultural Leadership Summit 2016

8.000 Kilometer in 48 Stunden

der Erfolg der chinesischen Wirtschaftsentwicklung – und ihr Erfolg bei der Schaffung von Wohlstand für die gesamte Bevölkerung – ist zugleich eine politische Herausforderung, eine Herausforderung für unsere Konzepte demokratischer Entwicklung. Da lohnt es sich schon mal genauer hinzusehen

Prof. Dr. Josef Wieland
Direktor Leadership Excellence Institute Zeppelin | LEIZ und Lehrstuhl für Institutional Economics
 
  •  
    Zur Person
    Prof. Dr. Josef Wieland

    Josef Wieland ist Direktor des Leadership Excellence Institute Zeppelin | LEIZ und Inhaber des Lehrstuhls für Institutional Economics an der Zeppelin Universität.
    Von 1995 bis 2013 war Wieland Professor für Allgemeine BWL mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) und dort Direktor des Kooperativen Promotionskollegs sowie des Konstanz Instituts für WerteManagement (KIeM). Daneben ist er wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Wirtschaftsethik (ZfW) und Gründer und Vorsitzender des Forums Compliance & Integrity – Anwenderrat für Wertemanagement. Seit 2012 ist Wieland Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik (DNWE) sowie Mitglied im CSR-Forum des BMAS. 1999 wurde er mit dem Max Weber Preis für Wirtschaftsethik des BDI und im Jahr 2004 mit dem Forschungspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.  

  •  
    Mehr ZU|Daily
    Wandel durch Handel
    Kein deutscher Politiker war so oft in China wie Angela Merkel. Doch wer nahm wie Einfluss auf die Politik der Kanzlerin? Und wie hat sich die deutsche China-Politik verändert?
    Machtkampf oder Sturm im Wasserglas?
    Wie ein erbitterter Machtkampf wirkt aus westlicher Perspektive der chinesische Parteispitzenwechsel, der seit heute vollzogen wird. Doch der Schein könnte trügen, warnen Dr. Joachim Landkammer und Dr. Zhong Langqiu.
    Die neue Tragödie der Großmächte
    Die Welt ist in Aufruhr. Der Islamische Staat errichtet im Nahen Osten ein brutales Kalifat, in der Ukraine sterben trotz Waffenstillstand Menschen und die neuerliche Gewalt zwischen Israel und Palästina kommt nicht zur Ruhe. Fast schon unbeachtet beginnt China währenddessen den Aufstieg zu einem neuen Hegemon auf. Es wird also höchste Zeit, seinen Blick auf das Land der aufgehenden Sonne zu richten, warnt der renommierte Politologe John J. Mearsheimer in der Neuauflage seines Buches „The Tragedy of Great Power Politics“.
  •  
     
    Hä...?
    Haben Sie Fragen zum Beitrag? Haben Sie Anregungen, die Berücksichtigung finden sollten?
    Hier haben Sie die Möglichkeit, sich an die Redaktion und die Forschenden im Beitrag zu wenden.
  •  
    Teilen
    Empfehlen

Am kommenden Wochenende steht an der Zeppelin Universität alles unter dem Vorzeichen von Leadership. Herr Prof. Dr. Wieland, was ist das eigentlich?


Prof. Dr. Josef Wieland: Es ist die Bereitschaft und Fähigkeit eines Menschen, von anderen Menschen die Zustimmung zu erhalten, sie im Hinblick auf die Durchführung einer bestimmten Transaktion oder Aufgabe zu führen. Führung darf nicht verwechselt werden mit vertraglicher Weisungsbefugnis oder Status in einer Hierarchie. Führung gibt es auf allen Ebenen einer Organisation und die Rolle des Führenden und der Geführten wechselt. Führung basiert auf Persönlichkeit, das heißt auf Integrität und Professionalität, und auf der Fähigkeit, die gemeinsamen Interessen und Herausforderungen einer Gruppe von Menschen zu repräsentieren und zu kommunizieren, sie zueinander in Beziehung zu setzen. Dabei geht es am Beispiel eines Unternehmens nicht nur um die eigenen Mitarbeiter, sondern um alle Stakeholder. Das ist es, was wir am LEIZ als „Relational Leadership“ bezeichnen.

Persönlichkeiten mit ganz verschiedenen Hintergründen sollen beim Transcultural Leadership Summit im interdisziplinären Kontext zusammengebracht werden: Ein Blick auf die angekündigten Redner verspricht tatsächlich einen Austausch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Unter den Sprechern sind Marcus A. Wassenberg, Finanzvorstand des Hauptsponsors Rolls-Royce Power Systems AG, Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, Dahai Yu, ehemals erster chinesischer Vorstand der Evonik Industries AG, der Globalisierungsexperte Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher von der Universität Ulm und Professorin Rong Pei von der School of Management and Economics am Beijing Institute of Technology. Moderiert wird die Konferenz von Astrid Oldekop von Mediapoint Düsseldorf | Beijing, die unter anderem für das Handelsblatt, die WirtschaftsWoche und die ARD-Radionanstalten über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas berichtet.
Persönlichkeiten mit ganz verschiedenen Hintergründen sollen beim Transcultural Leadership Summit im interdisziplinären Kontext zusammengebracht werden: Ein Blick auf die angekündigten Redner verspricht tatsächlich einen Austausch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Unter den Sprechern sind Marcus A. Wassenberg, Finanzvorstand des Hauptsponsors Rolls-Royce Power Systems AG, Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, Dahai Yu, ehemals erster chinesischer Vorstand der Evonik Industries AG, der Globalisierungsexperte Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher von der Universität Ulm und Professorin Rong Pei von der School of Management and Economics am Beijing Institute of Technology. Moderiert wird die Konferenz von Astrid Oldekop von Mediapoint Düsseldorf | Beijing, die unter anderem für das Handelsblatt, die WirtschaftsWoche und die ARD-Radionanstalten über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas berichtet.

Auf dem Transcultural Leadership Summit wollen Sie verschiedene Typen von Leadership aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen. Was für Unterschiede gibt es denn da? Führen Amerikaner ihr Unternehmen getreu des amerikanischen Traums, während Deutsche Wert auf Pünktlichkeit legen und Asiaten höfliche Umgangsformen wahren?

Wieland: Selbstverständlich ist die konkrete Bedeutung von Führung, also der Führungsstil, grundlegend abhängig vom kulturellen Umfeld. Dabei geht es allerdings weniger um die Punkte, die Sie erwähnen. In manchen Kulturen ist die Schätzung des Teamgedankens wichtig, in anderen geht es um die Harmonie in einer hierarchischen Struktur, in wieder anderen wird sogenannte „Strong Leadership“, eben eine klare Führungsrolle, geschätzt.

Auf der Suche nach global akzeptierter Führung

Gibt es denn trotz aller Unterschiede einen Idealtypus von Leadership, ein Musterbeispiel?

Wieland: Ihre Frage zielt letztlich darauf ab, ob es so etwas wie eine global akzeptierte, also in verschiedenen Kulturen anerkannte, Führungspersönlichkeit gibt. In globalen Wertschöfpungsketten von Unternehmen etwa ist dies eine der größten Herausforderungen in der Entwicklung von Führungspersönlichkeiten. Genau das wird das zentrale Thema des Transcultural Leadership Summit, und wir werden das an verschiedenen praktischen Beispielen diskutieren. Außerdem haben wir Studierende aus aller Welt zu einem Essay-Wettbewerb zu diesem Thema eingeladen.

Das Auf und Ab der chinesischen Wirtschaft hält die globale Staatengemeinschaft in Atem. 2015 fährt China das niedrigste Wirtschaftswachstum seit 25 Jahren ein. Die Konjunktur im Reich der Mitte lahmt, das Land ächzt unter seiner Schuldenlast. Als Reaktion beschließt die Staatsführung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm. Neue Daten aus der Industrie zeigen: offenbar mit Erfolg. Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im August auf Jahressicht um fast ein Fünftel in die Höhe geschnellt und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Damit mehren sich die Anzeichen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA wieder an Fahrt aufnimmt. Wie das Nationale Statistikamt mitteilte, kletterten die Gewinne der Industriefirmen im August um 19,5 Prozent auf umgerechnet 71 Milliarden Euro. Das ist der größte Zuwachs seit August 2013. Ziel der Regierung soll es nun sein, mithilfe von Fusionen „nationale Champions“ zu formen, die auf dem Weltmarkt bestehen können. Ein transnationales Führungsverständnis gehört dabei sicherlich zur Grundausstattung.
Das Auf und Ab der chinesischen Wirtschaft hält die globale Staatengemeinschaft in Atem. 2015 fährt China das niedrigste Wirtschaftswachstum seit 25 Jahren ein. Die Konjunktur im Reich der Mitte lahmt, das Land ächzt unter seiner Schuldenlast. Als Reaktion beschließt die Staatsführung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm. Neue Daten aus der Industrie zeigen: offenbar mit Erfolg. Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im August auf Jahressicht um fast ein Fünftel in die Höhe geschnellt und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Damit mehren sich die Anzeichen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA wieder an Fahrt aufnimmt. Wie das Nationale Statistikamt mitteilte, kletterten die Gewinne der Industriefirmen im August um 19,5 Prozent auf umgerechnet 71 Milliarden Euro. Das ist der größte Zuwachs seit August 2013. Ziel der Regierung soll es nun sein, mithilfe von Fusionen „nationale Champions“ zu formen, die auf dem Weltmarkt bestehen können. Ein transnationales Führungsverständnis gehört dabei sicherlich zur Grundausstattung.

Ich würde behaupten, dass neben dieser Suche nach einer global akzeptierten Führungspersönlichkeit die zunehmende Migration auf dem Arbeitsmarkt eine der größten aktuellen Herausforderungen ist. Welche Hilfe kann hier eine transkulturelle Auseinandersetzung mit Leadership leisten?

Wieland: Migration bedeutet auch eine Berührung, eine Interaktion zwischen verschiedenen kulturellen Erfahrungsräumen. Letztlich ist das, was wir heute ein „Migrations-“ oder „Flüchtlingsproblem“ nennen eine Völkerwanderung, in der das Thema der Transkulturalität von strategischer Bedeutung ist. Während die Begriffe der „Interkulturalität“ oder „Multikulturalität“ auf die Differenz zwischen den Kulturen abstellen und im besten Fall auf deren Kompatibilität und Synergie setzen, zielt das Konzept der „Transkulturalität“ auf das Herausfinden und Realisieren von Gemeinsamkeiten der Kulturen in der Bewältigung der heutigen Herausforderungen. Interkulturalität oder Multikulturalität ohne die Perspektive der Transkulturalität, gerade im Hinblick auf die Migration, wird kaum gelingen.

Eine veränderte Landkarte globaler Relevanz

Trotz aller Transkulturalität ist der Fokus auf ein bestimmtes Land eine Besonderheit der Konferenz. In diesem Jahr gilt es, China unter die Lupe zu nehmen. Warum ausgerechnet das Land, das dem Chef der EU-Handelskammer in China Jörg Wuttke zufolge den „schnellsten Schuldenaufbau der Weltgeschichte“ verzeichnet?

Wieland: Weil die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik China in den letzten 40 Jahren dazu geführt hat, das wir es mit einer veränderten Landkarte globaler Relevanz zu tun haben. Es war und ist das Wachstum in den asiatischen Regionen, das die Konjunktur auch der westlichen Länder wesentlich angetrieben hat. Der Erfolg in diesen Märkten, auch und gerade für europäische Unternehmen, hängt eben auch davon ab, ob sie sich in diesem Kulturraum bewegen und mit den Risiken umgehen können, die es dort zweifelsohne gibt. Aber der Erfolg der chinesischen Wirtschaftsentwicklung – und ihr Erfolg bei der Schaffung von Wohlstand für die gesamte Bevölkerung – ist zugleich eine politische Herausforderung, eine Herausforderung für unsere Konzepte demokratischer Entwicklung. Da lohnt es sich schon mal genauer hinzusehen – und genau das wollen wir tun!

Das Team hinter dem Transcultural Leadership Summit ist jung – denn die Idee für das Projekt stammt aus der Studierendenschaft der Zeppelin Universität. Die CME-Studierende Isabelle Yu (vordere Reihe, M.) hatte sich als Ziel gesetzt, Entscheider und junge Forscher im Kontext der Führungsherausforderungen in China zusammenzubringen. „Wir sind davon überzeugt, dass ein interdisziplinäres Konferenzformat als innovativer Ansatz, um über Transcultural Leadership zusammenzukommen, genau das Richtige ist“, erklärte Tim Robert Schleicher, studentischer Mitarbeiter am Leadership Excellence Institute Zeppelin | LEIZ, im März auf ZU|Daily. Am 14. und 15. Oktober will das vollkommen interdisziplinäre Team nun langfristige Implikationen für Wissenschaft und Praxis zu Tage fördern.
Das Team hinter dem Transcultural Leadership Summit ist jung – denn die Idee für das Projekt stammt aus der Studierendenschaft der Zeppelin Universität. Die CME-Studierende Isabelle Yu (vordere Reihe, M.) hatte sich als Ziel gesetzt, Entscheider und junge Forscher im Kontext der Führungsherausforderungen in China zusammenzubringen. „Wir sind davon überzeugt, dass ein interdisziplinäres Konferenzformat als innovativer Ansatz, um über Transcultural Leadership zusammenzukommen, genau das Richtige ist“, erklärte Tim Robert Schleicher, studentischer Mitarbeiter am Leadership Excellence Institute Zeppelin | LEIZ, im März auf ZU|Daily. Am 14. und 15. Oktober will das vollkommen interdisziplinäre Team nun langfristige Implikationen für Wissenschaft und Praxis zu Tage fördern.

Sie haben sich das Ziel gesetzt, praktische Implikationen für die Herausforderungen globaler Wertschöpfung im 21. Jahrhundert zu geben. Haben Sie jetzt schon eine Kernbotschaft, welche die Teilnehmenden unbedingt mit nach Hause nehmen müssen?

Wieland: Neben konzeptionellen Aspekten werden wir uns sehr tief mit praktischen Fragestellungen beschäftigen, wie etwa mit Integritäts- und Compliancemanagement in Asien, Fragen der Finanzierung und ihre Risiken, neue Formen konfuzianischen Unternehmertums oder der Produktivität kultureller Inklusion im Personalmanagement. Auch wird die Praxis gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen in China eine wesentliche Rolle spielen. Was auch immer das Thema ist, es geht immer um die Fähigkeit, für alle Beteiligten erfolgreiche und akzeptable Lernprozesse zu initiieren.

Eine Erfahrung transkulturellen Lernens

Wie genau wollen Sie denn diese Lernprozesse initiieren und neuen Erkenntnissen auf die Spur kommen? Was erwartet die Teilnehmer?

Wieland: Der Summit beinhaltet verschiedene Veranstaltungsformate – Vorträge im Plenum, Diskussionen in thematischen Arbeitsgruppen, Präsentationen von Firmenerfahrungen, Rundgespräche und nicht zuletzt die Möglichkeit, direkt miteinander ins Gespräch zu kommen. Interessant für beide Seiten dürfte auch die Diskussion von Repräsentanten von Unternehmen mit Studierenden und Mitarbeitern der ZU sein. Da die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern dieser Erde kommen, wird der Summit auch eine Erfahrung transkulturellen Lernens sein.

Titelbild:
| Unsplash / pixabay.com (CC0 Public Domain)

Bilder im Text:
| Transcultural Leadership Summit / Homepage
| Ayala / pexels.com (CC0 Public Domain)
| Transcultural Leadership Summit / Homepage


Redaktionelle Umsetzung: Florian Gehm

11
11
 
Leserbrief

Haben Sie Anmerkungen zum Beitrag?
Ihre Sichtweise ist uns wichtig! Der Leserbrief gelangt direkt in die Redaktion und wird nach Prüfung veröffentlicht.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten