Literaturnobelpreis

Auf Sinnsuche mit Bob Dylan

Wenn wir etwas von Bob Dylan lernen können und sollten, dann ist es Folgendes: nichts als gegeben anzusehen, sondern immer mit etwas Neuem, Anderen zu rechnen.

Dr. Veronika Caspers
Freie Mitarbeiterin | Fremdsprachenzentrum der ZU
 
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    Zur Person
    Dr. Veronika Caspers

    Veronika Caspers studierte von 1986 bis 1992 Anglistik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung an der Universität Bonn und an der Ohio University in Athens, Ohio. In Bonn promovierte sie zum Thema politische und religiöse Rhetorik. Sie arbeitet heute freiberuflich als Dozentin, unter anderem an der Berufsakademie Ravensburg, und als Sprachkoordinatorin an der Zeppelin Universität. Zu ihren Interessen gehören Sprachgeschichte, Semantik und Pragmatik.  

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    Factbox
    Zum kaufen und weiterlesen: Linguistische Untersuchungen zu Bob Dylans Werk Tarantula

    Mit der vorliegenden Arbeit unternimmt ZU-Fremdsprachen-Fachfrau Veronika Caspers einen Versuch, Bob Dylans Buch Tarantula (1971) einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Die Veröffentlichungen zu Werken Bob Dylans, auch die wissenschaftlichen, beschränken sich weitgehend auf seine Liedertexte und schließen Tarantula bei ihren Analysen aus. Darüber hinaus scheinen Untersuchungen zu Dylans Texten überwiegend von Literaturwissenschaftlern vorgenommen worden zu sein; sprachwissenschaftlich orientierte Arbeiten ließen sich bisher nicht finden. Eine Untersuchung der sprachlichen Formen von Tarantula ist jedoch naheliegend, da in diesem Buch fast durchgängig und auf unterschiedlichen Ebenen ungewöhnliche bzw. bizarre Strukturen konstruiert worden sind. Es wird in der folgenden Arbeit nur auf einige ausgewählte Arten der Anomalien eingegangen werden können. Das Ziel ist es, deren Zustandekommen und den Grad ihrer Abweichung vom Standardenglischen darzustellen. Abschließend wird versucht, die Auswirkungen, die diese Abweichungen auf die Verständlichkeit des Textes haben, zu bewerten. Zum Weiterlesen können Sie eine Neuauflage des Buches jetzt online erwerben.

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    Dossier
    how come youre so afraid of things that dont make any sense to you?
    Veronika Caspers ((2016))
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    Mehr ZU|Daily
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Leseprobe: Magisterarbeit von Dr. Veronika Caspers


Bob Dylan ist mehr als „Blowin´ in the Wind“ oder „The Times They Are a-Changin'“. Bob Dylan ist ein Phänomen, das einen, wenn es einmal Besitz von einem ergriffen hat, nicht mehr loslässt und durch das ganze Leben begleitet. So ist es mir ergangen.


1986, in dem Jahr, in dem ich Abitur gemacht habe, las ich Tarantula zum ersten Mal – und wusste, dass ich darüber meine Examensarbeit schreiben will. Und das, obwohl ich das Studium noch gar nicht begonnen und keine klare Vorstellung davon hatte, was da auf mich zukommen würde. Dass ich überhaupt auf das Buch gestoßen bin, lag daran, dass der wahre Fan sich eben für alles interessiert, was es von einem Künstler gibt.

Er gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts, und „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ wurde ihm 2016 der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. 1963 hat Robert Allen Zimmerman – besser bekannt als Bob Dylan – von einer solchen Lobeshymne noch nichts geahnt. Gemeinsam mit Sängerkollegin Joan Baez zeigt ihn das Bild auf dem weltberühmten March on Washington for Jobs and Freedom – ein Jahr nach Erscheinen seines ersten Albums. Erst kurz zuvor hatte er seinen ersten Plattenvertrag beim Majorlabel Columbia unterschrieben, einen kleinen Vorschuss bekommen, sollte fünf Prozent der Platteneinnahmen für sich erhalten. Doch schon da beobachtete Suze Rotolo, große Liebe und Freundin dieser Jahre, eine kritische Veränderung: Der Erfolg verwandele Dylan „mehr und mehr in einen Egozentriker“, Rotolo spricht von „unkontrollierbarer Egomanie“, die fast täglich zunehme. Trotzdem, oder gerade deshalb, steigt Dylan Mitte der 1960er-Jahre mit nicht einmal 25 Jahren zu einer Symbolfigur einer emanzipatorischen Bewegung seiner Zeit auf.
Er gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts, und „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ wurde ihm 2016 der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. 1963 hat Robert Allen Zimmerman – besser bekannt als Bob Dylan – von einer solchen Lobeshymne noch nichts geahnt. Gemeinsam mit Sängerkollegin Joan Baez zeigt ihn das Bild auf dem weltberühmten March on Washington for Jobs and Freedom – ein Jahr nach Erscheinen seines ersten Albums. Erst kurz zuvor hatte er seinen ersten Plattenvertrag beim Majorlabel Columbia unterschrieben, einen kleinen Vorschuss bekommen, sollte fünf Prozent der Platteneinnahmen für sich erhalten. Doch schon da beobachtete Suze Rotolo, große Liebe und Freundin dieser Jahre, eine kritische Veränderung: Der Erfolg verwandele Dylan „mehr und mehr in einen Egozentriker“, Rotolo spricht von „unkontrollierbarer Egomanie“, die fast täglich zunehme. Trotzdem, oder gerade deshalb, steigt Dylan Mitte der 1960er-Jahre mit nicht einmal 25 Jahren zu einer Symbolfigur einer emanzipatorischen Bewegung seiner Zeit auf.

Als ich mit meinem Themenwunsch zu meinem Betreuer, Professor Dr. Friedrich W. Gester von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, kam, schien er mir anfangs etwas skeptisch zu sein. Seine Reaktion werde ich nie vergessen: „Sie meinen den mit dem Hut?“ Aber er hat das Thema angenommen, was ich ihm bis heute hoch anrechne! Das Schreiben der Arbeit selbst gestaltete sich dann mehr als schwierig, denn es gab keine einzige sprachwissenschaftliche Arbeit zu Bob Dylan, auf die ich hätte zurückgreifen können – und zu Tarantula gab es auch nichts. Also hatte ich nur eine Möglichkeit – entweder mir fiel eine Analyse oder Interpretation ein oder das Blatt blieb leer. Ich erinnere mich noch an erhöhten Schokoladenkonsum während der nächsten Monate. Dennoch wurde die Arbeit fertig, auch wenn sie zu einem kritischen Bild der Sprache in Tarantula kam – aber damit war Bob Dylan nicht aus meinem Leben verschwunden.

Angst – vor einem Text ohne Sinn?

Der Titel, den die Arbeit eigentlich bekommen sollte und den sie jetzt hat, war ein Zitat aus Tarantula: „how come youre so afraid of things that dont make any sense to you?“ Ich bezog diese Frage damals auf das Buch selbst: Warum Angst haben vor einem Text, der keinen Sinn ergibt? Die Aufgabe meiner Arbeit war dann, diesen „Sinn“ – in der Bedeutung von „Verständlichkeit“ – zu finden. Und nach den Maßstäben, die ich anlegte, war er nicht da und ist es immer noch nicht. Aber ist das – frage ich mich noch heute – eigentlich der Maßstab, den man an einen Künstler wie Bob Dylan anlegen sollte? Er selbst hat die Verständlichkeit und Sinnhaftigkeit seines Werkes nie in den Vordergrund gerückt.


Für mich ist die Frage „how come youre so afraid of things that dont make any sense to you?“ zu einer Leitfrage des Lebens geworden: Warum fürchten wir uns generell vor allem Neuen, Fremden, das für uns keinen Sinn ergibt? Woher kommt unser Verlangen, dass alles sinnhaft sein muss?

In den Jahren 1965 und 1966 geht Bob Dylan, der hier die Presidential Medal of Freedom von US-Präsident Barack Obama verliehen bekommt, unter die Buchautoren. Mit Tarantula entsteht eine Sammlung von Gedichten und prosaischen Texten – ein Seelenspiegel für Dylans kreative Entwicklung. Später sollte über das Buch geschrieben werden, es kombiniere die Menschlichkeit und das Mitgefühl seiner Wurzeln mit verspieltem Surrealismus moderner Kunst. Auch ein Abbild seiner Musik sollen die Texte sein, einen Sinn für Protest und Spontaneität haben, für die künstlerische Legitimität stehen, das Alltägliche abzubilden. Wieder und wieder verschiebt sich die Veröffentlichung des Bandes, unter anderem bedingt durch einen schweren Motorradunfall, bis Tarantula schließlich 1971 erscheint. Schon vor der Veröffentlichung erreicht das Buch dennoch Kultstatus, als wieder und wieder illegale Kopien, Manuskripte oder Proofexemplare an die Öffentlichkeit gelangen. Im Spin-Magazin erscheint im Jahr 2003 ein Artikel über die fünf unverständlichsten Sätze aus Büchern bekannter Rockstars. Souverän sichert sich Dylan den ersten Platz: „Now's not the time to get silly, so wear your big boots and jump on the garbage clowns.“
In den Jahren 1965 und 1966 geht Bob Dylan, der hier die Presidential Medal of Freedom von US-Präsident Barack Obama verliehen bekommt, unter die Buchautoren. Mit Tarantula entsteht eine Sammlung von Gedichten und prosaischen Texten – ein Seelenspiegel für Dylans kreative Entwicklung. Später sollte über das Buch geschrieben werden, es kombiniere die Menschlichkeit und das Mitgefühl seiner Wurzeln mit verspieltem Surrealismus moderner Kunst. Auch ein Abbild seiner Musik sollen die Texte sein, einen Sinn für Protest und Spontaneität haben, für die künstlerische Legitimität stehen, das Alltägliche abzubilden. Wieder und wieder verschiebt sich die Veröffentlichung des Bandes, unter anderem bedingt durch einen schweren Motorradunfall, bis Tarantula schließlich 1971 erscheint. Schon vor der Veröffentlichung erreicht das Buch dennoch Kultstatus, als wieder und wieder illegale Kopien, Manuskripte oder Proofexemplare an die Öffentlichkeit gelangen. Im Spin-Magazin erscheint im Jahr 2003 ein Artikel über die fünf unverständlichsten Sätze aus Büchern bekannter Rockstars. Souverän sichert sich Dylan den ersten Platz: „Now's not the time to get silly, so wear your big boots and jump on the garbage clowns.“

Wir sind immer stärker mit Veränderungen konfrontiert – in der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft und unserem Arbeitsleben. Sie verlangen von uns einen hohen Grad an Flexibilität und Reflexion sowohl des eigenen Handelns als auch des Handelns anderer. Und wir suchen in diesen Veränderungen einen Sinn, versuchen, Bezüge zu unserem Weltwissen herzustellen. Aber müssen wir das überhaupt? Muss alles um uns herum „Sinn ergeben“? Zeigt nicht Tarantula, dass ich auch etwas produzieren kann, das keinen Sinn zu ergeben scheint? Etwas, das zwar im Moment bizarr erscheint, aber im Rückblick auch andere Sichtweisen zulässt und dessen Sinn sich nicht auf den ersten Blick erschließt?


Wie die Reaktionen in den Medien zeigen, ist auch die Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylan mit einer „Sinnfrage“, das heißt „Verständnisfrage“ verknüpft. Der Literaturnobelpreis für einen Musiker, dessen Texte nicht von seiner Musik getrennt werden können (oder sollten)? Seit wann sind Liedertexte denn überhaupt Literatur? Können alle Liedertexte Literatur sein oder nur bestimmte? Wenn ja, welche? Was genau ist eigentlich Literatur? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Ist Bob Dylans Werk Literatur im gleichen Sinne wie die Werke von Thomas Mann oder – um bei amerikanischen Preisträgern zu bleiben – von William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck und Toni Morrison (wo sein Werk doch so ganz anders ist)? Und was hat es zu bedeuten, dass er nicht zur Preisvergabe kommt?

Bob Dylan und die große Bühne der Weltliteratur

Heinrich Detering (zum Beispiel Bob Dylan, 2009), seit 2011 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, verweist immer wieder auf die Verwurzelung von Bob Dylan in der Weltliteratur. Vorlesungen wie seine im Sommersemester 2016 an der Georg-August-Universität Göttingen über „Bob Dylan und die Weltliteratur“ waren 1992, als ich meine Arbeit zu Tarantula schrieb, undenkbar. Und auch wenn man diese Verwurzelung und die Anspielungen an Shakespeare, mittelalterliche Mysterienspiele und die Beat Poets nicht entdeckt und die Texte lediglich in ihrer Komplexität auf sich wirken lässt: Dass die Texte heutiger Musiker vielschichtig sind, ist eine Entwicklung, die auf Bob Dylan zurückgeht. Diese Vielschichtigkeit ist – inmitten aller Anomalien – auch in Tarantula zu finden (zugegeben, man muss nach Aussagen suchen, die nicht zu bizarr sind, um sie zu entdecken): „there are only three things that continue: Life – Death & the lumberjacks are coming“ (Bob Dylan, Tarantula, 124). Humor hatte Dylan immer schon.

Am 10. Dezember ist es nun soweit: Bob Dylan bekommt die Krone für Lebenswerk, Musik, literarisches Schaffen – den Literaturnobelpreis. Doch der Zeremonie im norwegischen Oslo bleibt er fern, schiebt eine terminliche Kollision vor – und das, obwohl der Preis erstmals an einen Sänger verliehen wird. Ein offizieller Konzertauftritt kann es jedenfalls nicht sein, Dylans Tourkalender ist abgearbeitet für dieses Jahr. Seine Abwesenheit? Ein Rätsel. Statt selbst in Oslo zu singen, lässt er sich vertreten: Patti Smith wird für ihn auf der Bühne stehen und sein Protestlied „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ singen, wie die Schwedische Akademie per Twitter mitteilte. Trotzdem soll der Preisträger eine Rede vorbereitet haben, die beim Nobelbankett vorgetragen wird. Von wem, ist bislang unklar. Es ist Bedingung, dass der Gewinner des Literaturnobelpreises innerhalb von sechs Monaten nach der Verleihung eine Rede vorträgt. Traditionell halten die Preisträger eine solche Nobelrede in der Woche vor der Zeremonie. Nur eines hat Dylan der Schwedischen Akademie bei der Frage nach dem Vorleser deutlich gemacht: „It Ain’t Me Babe“.
Am 10. Dezember ist es nun soweit: Bob Dylan bekommt die Krone für Lebenswerk, Musik, literarisches Schaffen – den Literaturnobelpreis. Doch der Zeremonie im norwegischen Oslo bleibt er fern, schiebt eine terminliche Kollision vor – und das, obwohl der Preis erstmals an einen Sänger verliehen wird. Ein offizieller Konzertauftritt kann es jedenfalls nicht sein, Dylans Tourkalender ist abgearbeitet für dieses Jahr. Seine Abwesenheit? Ein Rätsel. Statt selbst in Oslo zu singen, lässt er sich vertreten: Patti Smith wird für ihn auf der Bühne stehen und sein Protestlied „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ singen, wie die Schwedische Akademie per Twitter mitteilte. Trotzdem soll der Preisträger eine Rede vorbereitet haben, die beim Nobelbankett vorgetragen wird. Von wem, ist bislang unklar. Es ist Bedingung, dass der Gewinner des Literaturnobelpreises innerhalb von sechs Monaten nach der Verleihung eine Rede vorträgt. Traditionell halten die Preisträger eine solche Nobelrede in der Woche vor der Zeremonie. Nur eines hat Dylan der Schwedischen Akademie bei der Frage nach dem Vorleser deutlich gemacht: „It Ain’t Me Babe“.

Wenn wir etwas von Bob Dylan lernen können und sollten, dann ist es Folgendes: nichts als gegeben anzusehen, sondern immer mit etwas Neuem, Anderen zu rechnen. Dylan ist unberechenbar und unvorhersagbar. Wer zu seinen Konzerten geht, kann nicht sicher sein, dass er die gespielten Lieder wiedererkennt. In Dylans Werk findet sich eine Vielzahl von Musikstilen und -richtungen: Folk, Rock, Country, Weihnachtslieder, Songs von Frank Sinatra – immer, wenn man denkt, man kennt seinen Stil, kommt etwas Neues. Aber ist es nicht im Leben auch so? Wir erwarten etwas und es kommt ganz anders? Wie John Lennon sagte: „Life is what happens to you while you´re busy making other plans“. Irgendwie hätte das auch von Bob Dylan sein können.

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt

Die Gewissheit, dass alles Planen nur bis zu einem gewissen Grad funktioniert und dann doch Dinge geschehen, deren Sinn wir nicht nachvollziehen können, kann uns auch gelassen machen. Es kommt anders, als wir wollen, planen, erwarten und hoffen. Aber: „It´s Alright, Ma (I´m Only Bleeding)“. Selbst Schmerz ist relativ. Dadurch, dass Dylan unsere Erwartungen permanent nicht erfüllt, fordert er von uns eine Flexibilität und Offenheit, die es uns generell erleichtern kann, das Leben zu meistern.
Und er kann die Erfahrungen, die wir selber machen, auf unnachahmliche Art und Weise ausdrücken wie beispielsweise in „Simple Twist of Fate“. Und so wie Oscar Wilde Sprüche für fast jede Lebenslage hat, gilt dies auch für Bob Dylan. Wer von uns, der einmal einen nahestehenden Menschen verloren hat, kennt nicht dieses Gefühl: „When you think that you lost everything You find out you can always lose a little more.”


Danke, Bob.

Zum kaufen und weiterlesen: Linguistische Untersuchungen zu Bob Dylan


Titelbild: 

| Xavier Badosa / flickr.com (CC BY 2.0)


Bilder im Text: 
| WikiImages / pixabay.com (CC0 Public Domain

Bill Ingalls / NASA.gov (CC0 Public Domain) 

Francisco Antunes / flickr.com (CC BY 2.0)


Beitrag (redaktionell unverändert): Dr. Veronika Caspers

Redaktionelle Umsetzung: Florian Gehm

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