Algorithmen in der Politik

Bot or Not?

Unter Frauke Petrys Twitter-Followern sind 24,3 Prozent Bots. Bei Katja Kipping sind es gar 27,5 Prozent ihrer Anhänger. Bots sind als Akteur in der politischen Kommunikation in Deutschland angekommen.

Prof. Dr. Ulrike Klinger
Vertretungsprofessorin für Digitale Kommunikation
 
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    Zur Person
    Prof. Dr. Ulrike Klinger

    Prof. Dr. Ulrike Klinger vertritt seit September 2016 den Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften – Schwerpunkt Digitale Kommunikation. Mit ihren Arbeitsschwerpunkten konzentriert sie sich auf politische Kommunikation, digitale Öffentlichkeit, Demokratisierungsprozesse und Demokratiequalität und Mediensysteme im Vergleich. An die ZU „ausgeliehen“ wurde Klinger vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. Seit 2009 ist Klinger dort als Oberassistentin tätig, von 2013 bis 2015 war sie zudem Geschäftsführerin der Abteilung „Media und Politics“. Im Jahr 2010 legte sie ihre Promotion mit der Dissertation „Medienmonopole und defekte Demokratien: Pluralismusregulierung und Demokratiequalität in Italien und Mexiko“ an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main ab, wo sie zuvor als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft tätig war. Zuvor studierte sie in Frankfurt am Main und Dresden – Auslandsaufenthalte und Praktika führten sie unter anderem zur Friedrich-Ebert-Stiftung nach Mexiko-Stadt und zur Hertie-Stiftung nach Frankfurt.   

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Fast harmlos wirkt der Begriff „Bot“, der vom englischen „Web Robot“ abstammt. Doch tatsächlich beschreiben die drei Buchstaben Software-Roboter, die vor allem in sozialen Netzwerken agieren und dort menschliches Verhalten imitieren, um so auf potentiell manipulative Weise mit Menschen zu interagieren. „Einmal programmiert und auf Kurs gebracht, folgen, posten und kommentieren sie unermüdlich und können so möglicherweise auch die öffentliche Meinung beeinflussen“, erklärt Klinger. Wie stark der Einsatz solcher Programme polarisiert, zeigte erst kürzlich ihr Einsatz im US-Wahlkampf. Millionen digitaler Wahlkampfhelfer sollen dort unterwegs gewesen sein: Denn Bots können massenhaft käuflich erworben und mit wenig Vorarbeit dazu genutzt werden, das öffentliche Meinungsbild in Wahlkämpfen, aber auch darüber hinaus zu verzerren.

Bit, Byte, Bot – die Computerwelt ist voll von solchen Wörtern. Der Begriff „Bot“ leitet sich vom englischen Wort „robot“ ab. Die Wortherkunft ist dabei Programm: Denn ganz vorurteilsfrei ist so ein „Bot“ lediglich ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben automatisiert, selbstständig erledigt und meist auch wiederholt. So lassen sich Bots dazu nutzen, um regelmäßig den Papierkorb am eigenen Rechner zu leeren und heruntergeladene Dateien automatisch umzubenennen. Zu großer Bekanntheit brachten es Bots vor allem als Teil sogenannter „Botnets“. Hierbei handelt es sich in der Regel um Schadsoftware, bei der sich Bots gegenseitig Befehle geben und so beispielsweise massenhaft Viren verseuchte Mails verschicken. Dass Bots aber nicht nur digitalen Wahlkampf betreiben können, zeigen viele Anwendungsbeispiele: In Computerspielen dienen sie als Zielhilfe oder ersetzen menschliche Mitspieler, in Chats oder Foren bereinigen und kontrollieren sie schädliche oder anstößige Inhalte und in Suchmaschinen helfen sie dabei, die Datenbanken von Anbietern wie Google stets auf dem neuesten Stand zu halten.
Bit, Byte, Bot – die Computerwelt ist voll von solchen Wörtern. Der Begriff „Bot“ leitet sich vom englischen Wort „robot“ ab. Die Wortherkunft ist dabei Programm: Denn ganz vorurteilsfrei ist so ein „Bot“ lediglich ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben automatisiert, selbstständig erledigt und meist auch wiederholt. So lassen sich Bots dazu nutzen, um regelmäßig den Papierkorb am eigenen Rechner zu leeren und heruntergeladene Dateien automatisch umzubenennen. Zu großer Bekanntheit brachten es Bots vor allem als Teil sogenannter „Botnets“. Hierbei handelt es sich in der Regel um Schadsoftware, bei der sich Bots gegenseitig Befehle geben und so beispielsweise massenhaft Viren verseuchte Mails verschicken. Dass Bots aber nicht nur digitalen Wahlkampf betreiben können, zeigen viele Anwendungsbeispiele: In Computerspielen dienen sie als Zielhilfe oder ersetzen menschliche Mitspieler, in Chats oder Foren bereinigen und kontrollieren sie schädliche oder anstößige Inhalte und in Suchmaschinen helfen sie dabei, die Datenbanken von Anbietern wie Google stets auf dem neuesten Stand zu halten.

Mit Blick auf die nahende Bundestagswahl Grund genug, das Thema auch wissenschaftlich ausführlich zu behandeln. Gemeinsam mit zwölf Masterstudierenden widmete sich Klinger über ein Semester lang aktuellen Fragestellungen der politischen Kommunikation und thematisierte dabei auch die Rolle von Bots. Doch wie ein Phänomen erforschen, dass sich mit einfachem Hinschauen kaum erkennen lässt? „Bot-Accounts lassen sich nur schwer von tatsächlichen Nutzern unterscheiden, sodass zunehmend Unklarheit darüber besteht, in welchem Ausmaß Diskurse in sozialen Netzwerken verzerrt sind“, beschreiben Klinger und die Studierenden ein grundlegendes Problem des Bot-Einsatzes.

Bots im Bundestagswahlkampf?

Was manipulativ klingt, sollte für die anstehende Bundestagswahl gar nicht zur Disposition stehen. Doch ausgerechnet die umstrittene Alternative für Deutschland (AfD) kündigte im Oktober den Einsatz solcher Software-Roboter an. „Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem Magazin DER SPIEGEL. Nur zwei Tage später ruderte die AfD zurück, dementierte die Aussage. Dennoch hält sich das Thema auf der politischen Tagesordnung. Lässt sich der Einsatz von Bots mit einem kurzen Dementi von der Hand weisen oder müssen wir uns auf einen neuen Trend der Wahlkampfkommunikation gefasst machen?

Mit Bots in den Bundestag? Botschaften rasend schnell verbreiten und möglichst viele Menschen gleichzeitig mobilisieren – so könnte das Geheimrezept neuer Parteien lauten. Dass Bots dabei eine veritable Hilfe sein könnten, schien auch die Alternative für Deutschland erkannt zu haben. Denn kurzzeitig gab die Partei an, in kommenden Wahlkämpfen Software-Roboter einsetzen zu wollen, um die Stimmung in den sozialen Netzwerken anzuheizen. „Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie einbeziehen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem Magazin DER SPIEGEL. „Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten.“ Wenige Tage später ruderte die Partei mit einer Klarstellung zurück – doch sie bewegte damit den Rest des Parteienspektrums zum Schulterschluss gegen einen Bot-Einsatz. Derlei Absprachen über eine gemeinsame Linie gebe es „bislang nicht“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Den Einsatz von Bots für die eigene Partei schließt er wie die anderen Parteien aus. Beim Koalitionspartner SPD weckte ein Schulterschluss Interesse: „Die sozialen Medien werden in unserem Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen. Aber den Einsatz von Bots lehnen wir ab“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Auch Linke, FDP und Grüne teilten bereits mit, sie würden im Wahlkampf keine Social Bots einsetzen.
Mit Bots in den Bundestag? Botschaften rasend schnell verbreiten und möglichst viele Menschen gleichzeitig mobilisieren – so könnte das Geheimrezept neuer Parteien lauten. Dass Bots dabei eine veritable Hilfe sein könnten, schien auch die Alternative für Deutschland erkannt zu haben. Denn kurzzeitig gab die Partei an, in kommenden Wahlkämpfen Software-Roboter einsetzen zu wollen, um die Stimmung in den sozialen Netzwerken anzuheizen. „Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie einbeziehen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem Magazin DER SPIEGEL. „Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten.“ Wenige Tage später ruderte die Partei mit einer Klarstellung zurück – doch sie bewegte damit den Rest des Parteienspektrums zum Schulterschluss gegen einen Bot-Einsatz. Derlei Absprachen über eine gemeinsame Linie gebe es „bislang nicht“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Den Einsatz von Bots für die eigene Partei schließt er wie die anderen Parteien aus. Beim Koalitionspartner SPD weckte ein Schulterschluss Interesse: „Die sozialen Medien werden in unserem Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen. Aber den Einsatz von Bots lehnen wir ab“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Auch Linke, FDP und Grüne teilten bereits mit, sie würden im Wahlkampf keine Social Bots einsetzen.

Laut dem Web Excellence Forum, einer Unternehmensinitiative zur Bewertung digitaler Kommunikation, sind etwa 35 Prozent aller Twitter-Accounts in den USA und 20 Prozent der Twitter-Nutzer in Europa keine Menschen, sondern Bots. „Studien haben gezeigt, dass rund ein Viertel der Twitter-Follower von Donald Trump Bots sind, dass die Brexit-Debatte maßgeblich von Bots beeinflusst wurde und auch im Ukraine-Konflikt ein ganzes Bot-Netzwerk zur Meinungsmanipulation gesponnen wurde“, erläutert Klinger den bereits massenhaften Einsatz der kleinen Computerprogramme.

Rechter Flügel und linker Pol im Blick der Wissenschaft

Einen Blick vor die eigene Haustür wollte Klinger nun mit ihren Studierenden werfen und mögliche Bots auch unter den Twitter-Anhängern deutscher Politiker aufspüren. „Um nicht vor einer unüberschaubaren Masse an Daten zu stehen, haben wir uns im Design der Studie dafür entschieden, die Twitter-Accounts zweier Parteivorsitzender der Alternative für Deutschland und der Linken zu untersuchen“, erklären ihre Studierenden den methodischen Rahmen. Der Startschuss für das Projekt fiel bereits im September – noch vor den kontroversen Aussagen der AfD – und sollte die ZU-Studierenden über mehrere Monate hinweg begleiten. „Wir entschieden uns, sowohl eine Partei des rechten Flügels mit deutlich radikalen Tendenzen als auch eine Partei vom linken Pol des politischen Spektrums zu vergleichen. Da beide Parteien von einer Doppelspitze geführt werden, fiel die Wahl schlussendlich auf Frauke Petry und ihre 27.600 Twitter-Anhänger sowie Katja Kipping und ihre 56.500 Follower“, beschreibt Klinger das von den Studierenden selbst gestaltete Vorgehen.

Spam-Links und gekaufte Follower gehören im sozialen Netzwerk Twitter längst der Vergangenheit an. Denn besonders hier breiten sich Social Bots rasend schnell aus, die menschliches Verhalten besonders glaubhaft imitieren. „Es geht nicht mehr um Reichweite, sondern um Beeinflussung“, erklärte Lutz Finger, Gründer und Direktor der Data-Mining-Firma Fisheye Analytics und Autor des Buches „Competing On Data“ gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT. Genau das macht Social Bots so schwer durchschaubar: Sie twittern nur gelegentlich, folgen verschiedenen einprogrammierten Interessen anstatt tausende Nutzer zu adden. Über Wochen und Monate bauen sie damit Reputation auf, um für die Spam-Erkennung von Twitter unsichtbar zu werden. Denn ihr Verhalten entspricht den 40 Prozent Twitter-Nutzern, die primär Inhalte konsumieren und sich mit eigenen Beiträgen zurückhalten. In politischen Stoßzeiten zeigen die Bots dann ihre Macht: Philip N. Howard, Professor an der University of Oxford, und sein ungarischer Kollege Bence Kollanyi untersuchten nach dem Brexit-Votum 1,5 Millionen Tweets von mehr als 300.000 Twitter-Accounts. Ihre Studie zeigt: Allein rund 97.000 von gut 660.000 Pro-Brexit-Tweets stammten von Bots. Gegen den Brexit wetterten nur rund 28.000 Bot-Tweets unter 186.000 Beiträgen.
Spam-Links und gekaufte Follower gehören im sozialen Netzwerk Twitter längst der Vergangenheit an. Denn besonders hier breiten sich Social Bots rasend schnell aus, die menschliches Verhalten besonders glaubhaft imitieren. „Es geht nicht mehr um Reichweite, sondern um Beeinflussung“, erklärte Lutz Finger, Gründer und Direktor der Data-Mining-Firma Fisheye Analytics und Autor des Buches „Competing On Data“ gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT. Genau das macht Social Bots so schwer durchschaubar: Sie twittern nur gelegentlich, folgen verschiedenen einprogrammierten Interessen anstatt tausende Nutzer zu adden. Über Wochen und Monate bauen sie damit Reputation auf, um für die Spam-Erkennung von Twitter unsichtbar zu werden. Denn ihr Verhalten entspricht den 40 Prozent Twitter-Nutzern, die primär Inhalte konsumieren und sich mit eigenen Beiträgen zurückhalten. In politischen Stoßzeiten zeigen die Bots dann ihre Macht: Philip N. Howard, Professor an der University of Oxford, und sein ungarischer Kollege Bence Kollanyi untersuchten nach dem Brexit-Votum 1,5 Millionen Tweets von mehr als 300.000 Twitter-Accounts. Ihre Studie zeigt: Allein rund 97.000 von gut 660.000 Pro-Brexit-Tweets stammten von Bots. Gegen den Brexit wetterten nur rund 28.000 Bot-Tweets unter 186.000 Beiträgen.

Über den Web-Dienst „Birdsong Analytics“ wurde die komplette Liste der Follower beider Accounts heruntergeladen. Einer individuellen Überprüfung wurden schließlich 1.134 Accounts unterzogen – 541 Follower von Frauke Petry und 593 Anhänger von Katja Kipping. „Damit handelt es sich um eine explorative Studie, die anhand eines kleinen Samples exemplarisch überprüft, ob Bots in den Accounts dieser deutschen Politikerinnen eine Rolle spielen“, erklärt Klinger den Forschungsansatz. Um ein Bot-Urteil für jeden einzelnen Nutzer zu fällen, lernten die Studierenden die frei verfügbare Anwendung „Bot or Not“ kennen, die von der Indiana University, einer staatlichen US-Universität mit knapp 40.000 Studierenden, entwickelt wurde. „Dieses komplexe Instrument ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes zur Identifizierung von Bots bei Twitter. Es analysiert in Echtzeit über 1.000 Merkmale eines Twitter-Nutzers – unter anderem dessen Freunde-Netzwerk, veröffentlichte oder geteilte Inhalte, linguistische und temporale Strukturen der Tweets“, erklärt eine Studierende.

Wissenschaft im endlosen Wettlauf

Über 20 Prozent der Twitter-Follower konnten schlussendlich von „Bot or Not“ nicht ausgewertet oder erkannt werden. „Dies liegt zum einen an der Fluidität des Mediums, das jederzeit das Löschen von Inhalten oder ganzen Nutzerkonten ermöglicht. Andererseits ist auch ‚Bot or Not‘ kein perfektes Instrument – schließlich werden Bots zunehmend komplexer und lassen sich somit auch schwieriger identifizieren“, erörtert Klinger die Einschränkungen. Ein endloses Rennen scheint der Wissenschaft bevorzustehen, bei dem es die Schwächen der verfügbaren Mittel in Kauf zu nehmen gilt – und die Grenzen der eigenen Aussagen kritisch beurteilt werden müssen.

„Bot or Not?“ fragten sich die Studierenden der Zeppelin Universität in ihrem Masterseminar „Aktuelle Fragestellungen“ gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Klinger, die seit September 2016 den Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften – Schwerpunkt Digitale Kommunikation vertritt. Dass die Frage „Bot or Not?“ schlussendlich auch der Interpretation von Daten durch Wissenschaftler selbst unterliegt, zeigt die grafische Auswertung ihrer Analyse besonders deutlich: Werden nur wirklich sicher als Bot eingestufte Accounts auch als Bots entlarvt, so waren durchschnittlich nur rund 5 Prozent der Petry- und Kipping-Anhänger Bots. Mit einer dichotomen Brille wandelt sich das Ergebnis deutlich, reflektieren die Studierenden. Die Ergebnisse beunruhigen trotzdem: Ein Drittel der Follower von Katja Kipping und fast ein Viertel der Follower von Frauke Petry sind mit einiger Wahrscheinlichkeit Bots.
„Bot or Not?“ fragten sich die Studierenden der Zeppelin Universität in ihrem Masterseminar „Aktuelle Fragestellungen“ gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Klinger, die seit September 2016 den Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften – Schwerpunkt Digitale Kommunikation vertritt. Dass die Frage „Bot or Not?“ schlussendlich auch der Interpretation von Daten durch Wissenschaftler selbst unterliegt, zeigt die grafische Auswertung ihrer Analyse besonders deutlich: Werden nur wirklich sicher als Bot eingestufte Accounts auch als Bots entlarvt, so waren durchschnittlich nur rund 5 Prozent der Petry- und Kipping-Anhänger Bots. Mit einer dichotomen Brille wandelt sich das Ergebnis deutlich, reflektieren die Studierenden. Die Ergebnisse beunruhigen trotzdem: Ein Drittel der Follower von Katja Kipping und fast ein Viertel der Follower von Frauke Petry sind mit einiger Wahrscheinlichkeit Bots.

Dennoch stehen am Ende eines intensiven Semesters auch klare Ergebnisse: „Unter Frauke Petrys Twitter-Followern sind 24,3 Prozent Bots. Bei Katja Kipping sind es gar 27,5 Prozent ihrer Anhänger“, erklären Studierende und Dozentin gemeinsam. Damit kommt das Forschungsprojekt zu ähnlichen Ergebnissen wie bisherige Studien. Allerdings lohnt besonders ein genauerer Blick auf die ausgewerteten Zahlen: „Die Funktionalität von ‚Bot or Not‘ ermöglicht es, nicht nur dichotom zu codieren, sondern Wahrscheinlichkeiten genauer zu differenzieren“, führt Klinger aus. So gibt das Programm die Wahrscheinlichkeit an, mit der die jeweiligen Accounts Bots sind – die Interpretation dieser Daten bleibt der Wissenschaft überlassen. Wie das aussehen kann, reflektieren die Studierenden am eigenen Beispiel: „Schaut man nicht darauf, welche Accounts mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent Bots sind, sondern nur darauf, welche Accounts mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 75 Prozent Bots sind, dann reduziert sich die Zahl auf durchschnittlich nur noch 5 Prozent Bots.“

Bots – schon längst in Deutschland angekommen?

„Wir haben es also mit einer weiten Spannbreite von Wahrscheinlichkeiten zu tun: Die Zahl der Follower, die höchstwahrscheinlich Bots sind, bewegt sich im einstelligen Bereich. Jedoch lässt dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass knapp ein Drittel der Follower von Katja Kipping und fast ein Viertel der Follower von Frauke Petry mit einiger Wahrscheinlichkeit Bots sind“, lautet das beunruhigende Fazit der Studierenden. Wer in kommenden Wahlkämpfen Informationen aus dem Netz bezieht und in sozialen Netzwerken hitzige Debatten austrägt, kann also jederzeit auch an intelligente Computerprogramme geraten. So warnen Klinger und ihre Studierenden: „Auch in Deutschland kommentiert und verbreitet extern gesteuerte Software aktiv politische Inhalte – und ist damit als Akteur in der politischen Kommunikation in Deutschland angekommen.“

Am Forschungsprojekt haben die ZU-Masterstudierenden (in alphabetischer Reihenfolge) Tobias Eckert, Daniela Grüßem, Katharina Sophie Held, Maximilian Höke, Christina Kößmeier, Claudia Pflüger, Léonie Rey, Julia Tauß, Britta Ulrich und Hannes Werning mitgewirkt. Das Vorhaben war Teil des Kurses „Aktuelle Fragestellungen der Kultur- und Kommunikationswissenschaften | Politische Kommunikation“ unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Klinger.

Titelbild: 

| graphic-dreams / pixabay.com (CC0 Public Domain


Bilder im Text: 

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| Cam4Heroes / flickr.com (CC0 Public Domain)

| WDnetStudio / pixabay.com (CC0 Public Domain

| Ulrike Klinger / Zeppelin Universität (Eigene Darstellung) 


Redaktionelle Umsetzung: Florian Gehm

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